Urteil Leiche in Scheune: Mann wegen Mordes verurteilt

Erst durch den Brand einer Scheune wurde die Leiche Jahre nach der Tat entdeckt.
Erst durch den Brand einer Scheune wurde die Leiche Jahre nach der Tat entdeckt. © Foto: Tanja Radan
Mosbach / Hans Georg Frank 13.08.2018
Das Landgericht Mosbach schickt einen Gastwirt wegen Mordes 13 Jahre hinter Gitter. Er hatte einen Bekannten erschossen.

Obwohl das Mosbacher Schwurgericht einen 55-Jährigen des Mordes für schuldig hält, muss er nicht lebenslang ins Gefängnis. Dem Angeklagten kam eine Ausnahmeregelung zugute, wonach die Würdigung der Gesamtumstände auch eine geringere Strafe zulässt. Bernd K. muss 13 Jahre in Haft, außerdem hat das ­Gericht eine Unterbringung des Alkoholikers in einer Entziehungsanstalt angeordnet.

Bekannten erschossen

Das Verbrechen, dessen sich K. vor Gericht verantworten musste, war zunächst als Totschlag eingestuft worden. Im Prozess gab der Vorsitzende Richter Alexander Ganter den rechtlichen Hinweis, dass auch eine Verurteilung wegen Mordes möglich sei.

Der ehemalige Wirt aus Buchen im Odenwald hatte im Februar 2013 einen 55 Jahre alten Bekannten erschossen, nachdem er ihn angeblich beim Diebstahl auf frischer Tat ertappt hatte. Das Opfer hatte Adolf Hitlers „Mein Kampf“ unter den rechten Arm geklemmt. Sympathien zur Nazi-Szene konnten im Prozess nicht festgestellt werden.

Polizei bekam Hinweis

Er habe den Mann „aus Zorn und Erregung“ erschossen und die Leiche in seiner Scheune unter Stroh versteckt, gestand der Angeklagte. Der Vater von drei Kindern wurde als vermisst gemeldet. Die Spur konnte erst wieder aufgenommen werden, als die Scheuer durch ein Feuer stark beschädigt worden war. Die Polizei hatte einen Hinweis bekommen, wonach sterbliche Überreste im Brandschutt freigelegt wurden. Das Opfer hatte zweifelsfrei identifiziert werden können.

Der Getötete war ein Bekannter des Wirts. Allerdings hatte das Verhältnis gelitten, weil der Kumpel angeblich immer mal wieder gestohlen haben soll. Aus einem Tresor seien 8000 Euro verschwunden, auch eine Motorsense habe eines Tages gefehlt, sagte der Angeklagte. Anzeige habe er nicht erstattet.

Dieses so genannte Vortatverhalten bezog das Gericht in seine Urteilsfindung mit ein. „Das Opfer hat sich nicht so benommen, wie man sich hätte benehmen können“, erklärte Richter Ganter. Dem Angeklagten wurde auch sein vollumfängliches Geständnis strafmildernd angerechnet. Ebenso wurde seine Alkoholsucht berücksichtigt. Außerdem liege die Tat lange zurück.

Staatsanwaltschaft forderte 13 Jahre Haft

Das Gericht habe sich mit „einer schwierigen Rechtsfrage“ zu befassen gehabt, sagte der Vorsitzende. Die Verurteilung wegen Mordes, die auch die Anwältin der Familie angeregt hatte, sei in Betracht gekommen, weil das Merkmal der Heimtücke erfüllt sei. Der Mann habe keine Chance gehabt, sich zu verteidigen, „er war arglos“. Wenn er früher Objekte wie etwa einen Säbel entwendet habe, sei es zu verbalen Auseinandersetzungen gekommen, „aber nicht zu körperlichen Attacken“. Deshalb habe das Opfer nicht damit gerechnet, getötet zu werden. Der Staatsanwalt hatte eine Haftstrafe von 13 Jahren wegen Totschlags gefordert, der Verteidiger hielt zehn Jahre für angemessen.

Der Angeklagte hatte in seinem letzten Wort die Familie um Entschuldigung bitten wollen. Weil Frau und Kinder des Getöteten laut weinten, ging sein „Es tut mir leid“ unter.

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„Atypischer Mord“

Paragraf 211 des Strafgesetzbuchs kennt bei nachgewiesenem Mord nur eine schuldangemessene Konsequenz: Lebenslange Freiheitsstrafe, die mindestens 15 Jahre dauert. Für einen „atypischen Mord“, der aus Heimtücke verübt worden ist, lässt die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs allerdings seit 1981 eine geringere Strafe zu.

„Rechtsfolgenlösung“ heißt das Konstrukt bei Juristen. Sie gilt, wenn die Höchststrafe unverhältnismäßig wäre, weil außergewöhnliche Umstände die Schuld des Täters mildern. Beispielhaft ist der Mord an einem „Haustyrannen“. hgf

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