Stuttgart Lehrerverband kritisiert Kultusministerkonferenz

Aus Sicht des Lehrerverbands VBE sind vor allem schlechte Prognosen der Schülerzahlen Schuld am Lehrermangel.
Aus Sicht des Lehrerverbands VBE sind vor allem schlechte Prognosen der Schülerzahlen Schuld am Lehrermangel. © Foto: Franziska Kraufmann/dpa
dpa 03.01.2018
Der Lehrerverband VBE hat die Kultusministerkonferenz wegen veralteter Prognosen von Schülerzahlen kritisiert.

Der Lehrermangel in Deutschland geht aus Sicht von Pädagogen vor allem auf veraltete Prognosen zu Schülerzahlen der Kultusministerkonferenz (KMK) zurück. „Auf dieser Basis rechnen sich die Länder den Bedarf schön, obwohl bereits bei der Geburt des Kindes klar ist, dass es in spätestens sechs Jahren einen Platz in der Schule und pädagogisch qualifizierte Lehrkräfte braucht“, sagte der Bundeschef des Verbandes Erziehung und Wissenschaft (VBE), Udo Beckmann, der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Die KMK wies den Vorwurf als haltlos zurück.

Dem Verband ist es ein Dorn im Auge, dass zwischen der KMK-Prognose aus dem Jahr 2012 und einer neuen Prognose, die im ersten Halbjahr 2018 veröffentlicht werden soll, mehr als fünf Jahre lägen. Die Entwicklungen des Jahres 2015 mit der Flüchtlingszuwanderung und ihren Folgen für das Bildungswesen würden so erst mit großer Verzögerung abgebildet.

Beckmann erwartet, dass die KMK bei aktuellen Ereignissen ihre Prognosen kurzfristig anpasse und mit den Ländern abgestimmt Konsequenzen daraus ziehe. Die Länder müssten sich verpflichten, für den eigenen Bedarf auszubilden und dafür Kapazitäten schaffen.

Nach Darstellung der KMK erarbeiten die Länder selbst regelmäßig - teilweise mehrfach im Jahr - eigene Prognosen. „Diese sind notwendige Planungsgrundlage für jedes Schuljahr in jedem Land. Die Kultusministerkonferenz fasst die Berechnungen der einzelnen Länder lediglich regelmäßig in einer Modellrechnung für ganz Deutschland zusammen“.

Beckmann monierte, auch der Personalaufwand für die Integration von behinderten Kindern und Jugendlichen an den allgemeinbildenden Schulen sei unterschätzt worden. Die Inklusion sei zu lange als Sparprojekt betrachtet worden. „Die Politik hat es langfristig versäumt, auf diese Ereignisse adäquat zu reagieren, hat sogar Ausbildungskapazitäten nach unten geschraubt und Studienplätze mit Zugangsbeschränkungen verknappt“, sagte Beckmann.