Bildungspolitik Lehrermangel im Südwesten spitzt sich zu

Axel Habermehl 07.09.2018

Der Lehrermangel an Baden-Württembergs Schulen verschärft sich. Laut aktuellen Einstellungszahlen, die Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) gestern in Stuttgart veröffentlicht hat, sind zum Beginn des neuen Schuljahres am Montag 750 Stellen unbesetzt. Vergangenes Jahr waren es 635 Posten gewesen.

Die Lage ist regional und an den einzelnen Schularten sehr unterschiedlich. Der ländliche Raum ist insgesamt stärker betroffen als Städte. Besonders groß ist die Not an Grundschulen, hier blieben 370 Posten frei, an Realschulen fehlten 170 Lehrer. Das Einstellungsverfahren läuft noch. Während einerseits Mangel herrscht, besteht andererseits ein erheblicher Überhang an Gymnasiallehrern: Allein 1800 Deutschlehrer bleiben im neuen Schuljahr wohl ohne feste Stelle.

Eisenmann betonte, ihr voriges Jahr vorgestelltes Maßnahmenpaket sei wirksam. Um dem Lehrermangel zu mindern, versucht das Ministerium, Gymnasiallehrer an Grundschulen einzusetzen, sie bittet Teilzeit-Lehrer, ihre Deputate aufzustocken und Pensionäre, ihren Ruhestand aufzuschieben.

Eisenmann kritisierte erneut, dass viele Junglehrer nicht bereit seien, Stellen in Mangelregionen anzunehmen. Politisch verantwortlich für den Zustand sei die Planung der grün-roten Vorgängerregierung. Trotz absehbarer Pensionierungswelle und zu erwartender höherer Schülerzahlen habe diese nicht genügend für den Nachwuchs getan, sondern sogar das Lehramtsstudium verlängert, sodass nun Bewerber fehlten, sagte Eisenmann.

Stefan Fulst-Blei (SPD) forderte unter anderem den Ausbau der Krankheitsreserve, die Einstellung von mehr Gymnasiallehrern an Gemeinschaftsschulen, mehr Leitungszeit und bessere Bezahlung von Schulleitungen. Timm Kern (FDP) sagte, der „gebetsmühlenartige Verweis der Kultusministerin auf die Vorgängerregierung verkommt immer mehr zum Ritual der Hilflosigkeit und ersetzt nicht das eigene Handeln“.

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