Stuttgart Lehrer stellen Politik ein mäßiges Zeugnis aus

 
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Stuttgart / ANDREAS BÖHME 01.03.2016
Kurz vor der Wahl schreiben Eltern, Lehrer und Gewerkschaften gern Wunschzettel. Untermauert werden sie mit Zahlen und Umfragen. Das Forsa-Institut stellt dem Land so nun ein mittelmäßiges Zeugnis aus.

Preisfrage: Wie viele Lehrer gibt es in Baden-Württemberg? An allen Schulen, privaten wie öffentlichen, sind es rund 137.000. Und wie viele wurden über ihren Job in der jüngsten Studie der Lehrergewerkschaft VBE befragt? In Worten: einhundertundfünfzig. Die Umfrage sei repräsentativ, versichert Peter Matuschek vom Meinungsforschungsinstitut Forsa. Er ließ bundesweit 1001 Pädagogen befragen, angesichts der Heterogenität dieser Berufsgruppe "hätte auch die Hälfte gereicht." Ausgekoppelt wurden dann die Aussagen von 150 südwestdeutschen Lehrkräften.

Die zeigten sich motiviert, neun von zehn gehen gerne zur Arbeit. Dies hat auch mit den Rahmenbedingungen zu tun: Immerhin gab jeder vierte an, diese seien für die Berufswahl ausschlaggebend gewesen - Bezahlung, Pension, Arbeitsplatzsicherheit. Der wichtigste Grund, Lehrer zu werden, sei aber die Freude, die man empfinde, wenn man jungen Menschen Wissen vermittelt: 95 Prozent der Befragten nannten dieses Motiv.

Kaum Grund zur Freude dürften drei Länderminister empfinden, die gestern mit regionalen Auswertungen konfrontiert wurden: Schulpolitik ruft bei den befragten Lehrern wenig Begeisterung hervor. In Nordrhein-Westfalen reicht es zu einer 4,2. Bayern schafft eine 3,7. Und Baden-Württemberg kommt auf ein glattes Ausreichend - und liegt so im Bundesschnitt.

Möglicherweise liegt die mäßige Benotung am Reformtempo im Südwesten, sagt ein VBE-Sprecher. Genaue Rückschlüsse seien aber nicht möglich, die geringe Basis der Umfrage lässt keine Differenzierung zu. Das Gegenmittel aber sei klar: mehr Lehrer, mehr Stunden, mehr Geld. Die Personaldecke sei an allen Schulen zu dünn, auch an den Gemeinschaftsschulen, die die Opposition für viel zu üppig ausgestattet hält.

Die Note vier findet das Stuttgarter Kultusministerium "angesichts der vielen Herausforderungen im Bildungswesen nachvollziehbar". Man verstehe sie als Aufforderung, die Rahmenbedingungen weiter zu verbessern. Mehr Stellen habe man an Realschulen und Gymnasien schon geschaffen, allein über 1000 für den Unterricht von Flüchtlingskindern. "Die Befragung zeigt, dass die Lehrerinnen und Lehrer in Baden-Württemberg hoch motiviert sind und einen sehr guten Job machen" , freut sich eine Sprecherin.

Der größte Wunsch der Lehrer sei laut VBE übrigens, mal zwei Jahre Ruhe vor Reformen zu finden. Und auch vor neuen Umfragen?