Emmendingen/Freiburg Lebenslange Haft für Mord an eigenem Neffen

Emmendingen/Freiburg / PETER SLIWKA 18.03.2016
Das Landgericht Freiburg hat einen 27-Jährigen wegen der Ermordung seines achtjährigen Neffen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe ist die Ermordung eines achtjährigen Jungen aus Rheinland-Pfalz im September 2015 in einem Hotel in Emmendingen von der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Freiburg am Donnerstag geahndet worden.

Der geständige Täter, 27 Jahre alt und Lieblingsonkel des Jungen, ist des Mordes schuldig gesprochen worden, weil er dem schlafenden Kind die Kehle durchgeschnitten und ihm anschließend das Messer bis ins Herz gestoßen hatte.

"Es fällt schwer, den Angeklagten als Mörder zu bezeichnen; das muss man auch nicht", sagte gegen Ende ihrer Urteilsbegründung die Vorsitzende Richterin Eva Kleine-Cosack. Sie wies damit auf die menschlichen Aspekte der Tragödie hin. Kleine-Cosack wandte sich direkt an den Verurteilten, der wie an allen vier Prozesstagen, tiefgebeugt auf seinem Platz saß.

Es ging im Prozess nicht um den Nachweis der Täterschaft. Der 27-Jährige hatte sich der Polizei gestellt. Es ging um das Warum der Tat. Ein sicheres Motiv haben die Richter nicht benennen können. Sie setzten Schwerpunkte, gingen aufgrund von Biographie und Persönlichkeit des 27-Jährigen davon aus, dass er sich bereits im Juli 2015 mit Suizidgedanken getragen habe. Der psychiatrische Gutachter hatte einen sogenannten Bilanzierungssuizid des 27-Jährigen ins Gespräch gebracht.

Vorstellbar sei aber auch, dass der selbstunsichere 27-Jährige mit seinen pädophilen Gedanken nicht mehr klar gekommen sein. Ausgerechnet der gute Onkel, der wie kein anderer in der Familie mit dem später von ihm getöteten Jungen so blendend klarkam, soll pädophil sein?

Niemand in der Familie war auf einen solchen Gedanken gekommen. Doch der 27-Jährige muss bei aller inneren Abwehr gegen pädophile Neigungen, so der Gutachter, sein sexuelles Interesse an Kindern bemerkt haben. Die Richter gehen davon aus, dass der Angeklagte nie sexuell übergriffig geworden ist.