Länger wäre die Entscheidung um die Landeserstaufnahmestelle für Flüchtlinge (LEA) in Ellwangen nicht mehr hinauszuzögern gewesen. Erst die Verschiebung im Dezember, dann die neuen Vertragsverhandlungen mit dem Land und dazu die Diskussion um LEA-Leiter und Grünen-Stadtrat Berthold Weiß. Kein Glanzstück der Kommunalpolitik. Nicht für die Ellwanger Bürgerinnen und Bürger, die nach monatelangen Debatten Gewissheit wollten. Zwei weitere Jahre wird die LEA bestehen –  als eine kurzfristige Zuflucht für Menschen, die keinen einfachen Weg hinter sich haben. Die LEA ist außerdem Wirtschaftsfaktor, Ellwangens Garant für eine Gesundheitsakademie auf dem ehemaligen Kasernengelände und Beispiel gesellschaftlichen Engagements von großen Teilen der Stadtbevölkerung.

Aus der kommunalpolitischen Provinzposse lernen

Dass Berthold Weiß nicht zur Gemeinderatssitzung erschienen ist, war ein weiser und überlegter Zug. Er umging den erwarteten Befangenheitsantrag, den die Freien Bürger gewillt waren, zu stellen. Und sorgte dafür, dass es zur Abstimmung am Donnerstagabend kommt und sich die LEA-Spirale nicht weiter um sich selbst dreht. Er vermied einen Gang vors Verwaltungsgericht, wie es die Freien in Betracht gezogen hatten. Und setzte alles auf eine Karte – weil seine Stimme in der befürchtet knappen Entscheidung, die es letztlich nicht war, fehlen würde.

Sein Vertrauen ins Gremium haben die Stadträte der Grünen, der SPD und Teile der CDU bestätigt. Es ist zu hoffen, dass die Volksvertreter aus dieser kommunalpolitischen Provinzposse lernen. Und sich die Spirale in zwei Jahren nicht von Neuem dreht.

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