Tübingen Lange Haft wegen "Enkeltricks"

Vor dem Landgericht Tübingen ist am Donnerstag ein Prozess gegen zwei Betrüger zu Ende gegangen.
Vor dem Landgericht Tübingen ist am Donnerstag ein Prozess gegen zwei Betrüger zu Ende gegangen. © Foto: dpa
Tübingen / DPA 15.01.2016
Wenn Verwandte in Geldnot sind, helfen ältere Menschen gern. Das nutzen skrupellose "Enkeltrick"-Betrüger immer wieder aus. In Tübingen wird ein Betrüger-Paar deswegen zu langen Haftstrafen verurteilt.

Weil sie mehrere Senioren am Telefon um ihre Ersparnisse gebracht haben, sind gestern zwei "Enkeltrick"-Betrüger zu langen Gefängnisstrafen verurteilt worden. Eine 50-jährige Betrügerin soll laut Urteil des Tübinger Landgerichts neun Jahre in Haft, ihr 54-jähriger Komplize acht Jahre, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Die Strafe bezieht sich auf fünf vollendete und vier versuchte Betrügereien, bei denen das Paar als Drahtzieher an die 125.000 Euro erbeutet hat.

Die Anklagebehörde hatte sogar mehr als zehn Jahre Haft für die Hauptangeklagte gefordert, für den Mann neun Jahre. Die Verteidiger des Paars hatten hingegen auf Freispruch plädiert. Sie bezweifelten vor allem die Glaubwürdigkeit des Hauptbelastungszeugen und wollen deshalb Revision beim Bundesgerichtshof beantragen, wie einer der Anwälte nach dem Prozess ankündigte. Die Hauptangeklagte hat bis zum Schluss abgestritten, an den Taten beteiligt gewesen zu sein.

Die Staatsanwaltschaft hatte den beiden Verurteilten vorgeworfen, dass sie die Strippenzieher einer großteils aus Familienangehörigen bestehenden Bande waren. Diese habe ältere Menschen um Beträge zwischen 10.000 und 35.000 Euro betrogen. Bei den Telefonaten gaben sich die Kriminellen als Verwandte aus, die in Finanznot geraten seien und deshalb einen hohen Geldbetrag benötigten. Leichtgläubig zahlten einige der Opfer das Geld.

Die Masche der "Enkeltrick"-Betrüger war dabei stets ähnlich, wie der Staatsanwalt sagte. In Telefonbüchern hätten sie gezielt Menschen mit Vornamen angerufen, die eher alt klingen. Diese verwickelten sie dann in ein Gespräch, bei dem sie ihren Namen verschwiegen und die Angerufenen dazu brachten, einen ihnen bekannten Namen zu nennen.

Geschehen sei dies etwa mit Formulierungen wie: "Weißt du denn nicht, wer hier ist?" So habe die Bande vom Ausland aus am Tag bis zu hundert solcher Telefonate geführt.

Aufgeflogen war das verurteilte Gauner-Pärchen, als zwei andere Mitglieder der Bande im vergangenen Herbst auf frischer Tat in Tübingen gefasst wurden. Die beiden Bandenmitglieder waren an den Delikten beteiligt und sollten das Geld abholen, das die ahnungslosen Opfer in gute Hände zu geben glaubten. Deswegen wurden sie bereits zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Einer der beiden war nun im aktuellen Prozess der Belastungszeuge. Er gab an, dass die nun Angeklagten die Köpfe der Verbrecherbande gewesen seien und als solche auch den Großteil des erbeuteten Geldes kassiert hätten.

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