Der baden-württembergische Landtag will sich für den Erhalt des Dialekts stark machen. Mit einem Antrag fast aller Fraktionen soll ein Bekenntnis zu der vielfältigen Mundartlandschaft abgegeben werden, wie der Grünen-Abgeordnete Markus Rösler am Mittwoch in Stuttgart mitteilte. Von ihm ging die Initiative aus. Er verwies darauf, dass heute immer weniger Kinder und Jugendliche Mundart könnten. Der Antrag von Grünen, CDU, SPD und FDP solle um Ostern gemeinsam ins Parlament eingebracht werden. Zunächst hatten „Stuttgarter Zeitung“ und „Stuttgarter Nachrichten“ darüber berichtet.

„Dialekt ist kulturelle Vielfalt und regionale Identität“, sagte Rösler weiter. Er freue sich über alle, die Dialekt sprächen. „Egal, ob Rheinfränkisch oder Hohenlohisch, Schwäbisch oder Alemannisch-südbadisch. Das ist ein Stück gelebte kulturelle Vielfalt. Dialekt ist ein Stück regionale Identität, auch als kultureller Gegenpol zu einer teils kalten Globalisierung.“ Leider stünden schöne Wörter wie „Brestlingsgsälz“ (Erdbeermarmelade) oder „hälenga“ (heimlich) heutzutage auf der Roten Liste.

Sein FDP-Kollege Jochen Haußmann sagte dem Bericht zufolge, der Landtag dürfe das Thema nicht allein Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) überlassen, der vor Weihnachten dazu eine wissenschaftliche Tagung veranstaltet hatte: „Uns geht es auch um eine Bestandsaufnahme, damit wir ein Gefühl dafür bekommen, wo die Mundarten gerade stehen.“

Der Regierungschef hatte unter dem Motto „Daheim schwätzen die Leut' - Gegenwart und Zukunft der baden-württembergischen Dialekte“ alles in die Landeshauptstadt einbestellt, was in der Welt der Dialekte Rang und Namen hat. Ziel: Ideen zu entwickeln, wie die Mundart als schützenswertes Kulturgut zu retten ist.

Konkrete Beschlüsse seien erst einmal nicht geplant, sagte CDU-Fraktionsvize Karl-Wilhelm Röhm zu dem interfraktionellen Antrag: „Wir wollen den Antrag aber im Plenum diskutieren, und zwar so, dass jeder Redner dies in seiner heimischen Mundart tut.“

Initiator Rösler sagte, es gebe wissenschaftliche Untersuchungen, wonach Kinder, die sowohl Schriftsprache als auch Dialekt sprächen, 30 Prozent weniger Rechtschreibfehler machten. Der SPD-Politiker Reinhold Gall sagte, Dialekt zu sprechen sei auch Teil heimatverbundener Identität. „Dialekt zu sprechen ist deshalb kein Makel, sondern gehört zur Vielfalt unseres Landes.“