Urteil Landsmann im Auto erstochen

Mannheim / Ulrich Willenberg 18.06.2018

Das Mannheimer Landgericht hat einen Georgier wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Der 46-jährige Asylsuchende habe einen Landsmann aus Rache erstochen. Die Verteidigung hatte einen Freispruch gefordert.

Der 46-Jährige hatte im April 2017 auf der Mannheimer Neckarwiese seinen Geburtstag mit Landsleuten gefeiert. Es wurde getrunken und gekifft. Dann kam es zu einem heftigen Streit. Das spätere Opfer beleidigte den Angeklagten und schlug ihm eine Flasche auf den Kopf, was zu einer blutenden Platzwunde führte. In der folgenden Nacht ging der Angeklagte mit einem Küchenmesser bewaffnet in die Stadt. Sein Kontrahent schlief dort im Auto. Der Täter versetzte dem 33-jährigen Landsmann einen Stich in den Bauch. Der Mann konnte trotz einer Notoperation nicht gerettet werden.

Im Sommer wurde der 46-jährige Angeklagte in Polen festgenommen und ausgeliefert – zuvor war ein Landsmann verdächtigt worden, der den Toten entdeckt hatte. Es gebe keine Zweifel an der Schuld des Angeklagten, sagte der Vorsitzende Richter. Drei Zeugen hätten ihn zur fraglichen Zeit nahe des Tatortes gesehen. Zudem sei dessen DNA an dem Auto festgestellt worden.

Eklat bei den Plädoyers

Völlig anders sah dies Verteidiger Oliver Nießing: Mehrere Zeugen hätten gelogen, sagt er. Einer habe die „in Georgien übliche Beleidigung“ nur vom Hörensagen mitbekommen. Das Tatmotiv sei „zusammengereimt“. Es kämen andere Landsleute als Täter in Betracht, darunter auch der zunächst Verdächtigte. Möglicherweise stecke sogar eine Mafiaorganisation hinter dem Mord. Die Ursache für das Verbrechen liege jedenfalls in Georgien. Es sei versäumt worden, Licht ins Dunkel zu bringen, kritisierte der Anwalt die Ermittler. Der Vorsitzenden Richter bezeichnete diese Kritik als „wahren Hohn“.

Eine weitere Hypothese des Anwaltes lautete, der verstorbene Georgier habe sich womöglich selber umgebracht. Er  habe an Depressionen gelitten und sich Schnittverletzungen am Arm zugefügt. Ein weiteres Indiz sei ein Chat kurz vor dessen Tod: „Ich bin so müde vom Alleinsein“, schrieb der 33-Jährige an seine Frau. Er sei wie „versteinert“.

Für das Gericht gab es aber „keine Hinweise für diese These“ des Anwaltes, der in dem 13-tägigen Prozess zig Anträge stellte, darunter zwei Befangenheitsanträge gegen das Gericht. Die Verteidigung habe versucht, das Verfahren „zu torpedieren und in die Länge zu ziehen“, kritisiert der Vorsitzende. Der Angeklagte äußerte sich während des Prozesses nicht.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel