"Wir stehen mit dem Rücken an der Wand", beschrieb Reinhard Frank (CDU), Landrat des Main-Tauber-Kreises, die Situation bei der Unterbringung von Flüchtlingen, die sich "dramatisch" zuspitze. Bereits ab August gebe es keine Plätze mehr, weil alle Kapazitäten belegt seien. Mit 165 Personen in Bad Mergentheim und 60 in Külsheim seien diese Möglichkeiten "restlos erschöpft".

Da es offenbar keine weiteren Angebote aus den Kommunen gibt, will Frank zum "letzten Mittel" greifen - die Beschlagnahme von Häusern für sechs Monate. Der Landrat hat dabei ein Mannschaftsgebäude in der aufgegebenen Kurmainz-Kaserne in Tauberbischofsheim im Auge. Eigentlich sollte dort ab 1. Oktober das Kreisjugendamt einziehen, aber wegen der "ganz akuten Notlage" möchte Frank diesen Plan ändern. Die ehemalige Militärimmobilie sei für die sofortige Unterbringungen von Flüchtlingen "hervorragend geeignet".

Im Rathaus der Kreisstadt stieß die Absicht des Landrats auf Ablehnung. Das Gebäude werden als "nicht geeignet" angesehen, ließ Bürgermeister Wolfgang Vockel verlauten. Die Anbindung an die Stadt sei unzureichend. Außerdem ist dort eine Bebauung mit "hochwertigen Wohnangeboten" geplant.

"Es kommt allein auf das politische Wollen an", hielt Frank dem parteilosen Bürgermeister vor. Es sei nicht zu vermitteln, dass Flüchtlinge in Containern oder Turnhallen einquartiert werden müssten, obwohl "eine Vielzahl von geeigneten Liegenschaften leersteht". Gerade Tauberbischofsheim habe als Kreisstadt "eine besondere Verantwortung und Vorbildfunktion".

Doch in der Stadt mit 13 000 Einwohnern - weltweit bekannt als "Fechter-Hochburg" - scheiterte bereits ein Asyl-Anlauf. So wurde die Umnutzung einer Jugendherberge als "derzeit nicht genehmigungsfähig" abgelehnt, obwohl sie nach Auffassung des Landratsamtes mit 71 Plätzen "ideal geeignet" wäre. Der Main-Tauber-Kreis rechnet mit 350 Flüchtlingen bis Ende 2014.