Schwäbisch Hall/Naxos Landrat glaubt an Domino-Effekt

Schwäbisch Hall/Naxos / MARCO KREFTING, DPA TAKIS TSAFO, DPA 21.11.2014
Dass Schwaben einen Sauberkeitsfimmel haben, ist zumindest ein beliebtes Klischee. Dass aber das griechische Müllproblem an hellenischer Bürokratie scheitert, macht selbst einen deutschen Landrat nervös.

Schwäbisch Hall/Naxos. Gerhard Bauer glaubt an den Domino-Effekt. "Wir bräuchten nur ein Projekt, das funktioniert", sagt der Schwäbisch Haller Landrat. Er hat sich zur Aufgabe gemacht, den Griechen bei der Müllentsorgung unter die Arme zu greifen, Verbrennungsanlagen sollen helfen. Doch weil die griechischen Gesetze deren Installation noch verhindern, liegt das mögliche Vorzeigeprojekt auf der Insel Naxos im Ägäischen Meer erstmal auf Halde, der Plan dafür aber gewissermaßen in der Schublade.

"So eine Anlage muss zwar spezifisch angepasst werden", sagt Heiko Schwager, Vertriebsleiter bei der Firma Michaelis in Veitshöchheim bei Würzburg. Dank Modulbauweise lasse sich eine Anlage aber relativ schnell installieren. Er rechne mit ein paar Monaten.

Griechenland hat ein Müllproblem, laut Landrat Bauer aber lange keine Strategien zur Abfallvermeidung entwickelt. Sowohl auf Naxos als auch in seinem Landkreis fielen jährlich 20 000 Tonnen Müll an. Allerdings leben hierzulande fast zehnmal so viele Menschen wie auf der Insel. Der für Müll zuständige Vize-Bürgermeister in Naxos, Emmanouíl Polykrétis, hatte vor anderthalb Jahren noch von der "super Gelegenheit" geschwärmt, mit schwäbischer Hilfe das Müllproblem lösen zu können. Damals hoffte er, bis Ende 2014 grüne Parklandschaften entstehen zu lassen, wo einst offene Mülldeponien klafften. Heute gibt sich Polykrétis wortkarg. Das Parkprojekt hat er auf 2016 verschoben: "Die griechische Firma, die das Ganze übernehmen sollte, ist noch nicht gefunden." Verschiedene Ausschreibungen seien im Gange. Von der Müllverbrennungsanlage ist gar keine Rede mehr.

Wegen der Kommunalwahlen in Griechenland sei Müll in den ersten Monaten dieses Jahres kaum Thema gewesen, sagt Landrat Bauer. Auf der Insel Ikaria sei ein neuer Bürgermeister gewählt worden und die Zukunft der Müll-Kooperation nun völlig unklar. Auf Naxos sei die politische Führung hingegen im Amt geblieben. Zudem seien immer mehr Gemeinden und Inseln wie Paxos und Andros interessiert.

Doch um die Abfallplanungen zu ändern, damit auch Verbrennungsanlagen gebaut werden dürfen, muss Athen ran. Innen- und Umweltministerium werden eingebunden. "Derzeit erarbeitet die Region einen neuen Abfallplan und dies erfordert Zeit und Abstimmungen", sagt der Griechenlandbeauftragte der Bundesregierung, der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel (CDU). Auch die Angst vor Giften, die bei der Müllverbrennung freigesetzt werden, sei groß. "Die Griechen kennen nur brennende Deponien", sagt Bauer. Die moderne Technik zerstöre aber bei 950 Grad auch Dioxine.

Zur Überzeugung haben die beiden mehrere Strategien. Zum einen lädt die Deutsch-Griechische Versammlung zur Besichtigung deutscher Anlagen. Bauer sagt: "Bei der Abfallverbrennungsanlage in Stuttgart neben Wilhelma und Weinbergen sieht man zum Beispiel ja, dass es keine Probleme gibt." Fuchtel betont darüber hinaus, dass eine schnelle Umsetzung auch der wirtschaftlichen Belebung dient - denn es entstehen Arbeitsplätze. "Die Akzeptanz wird sicher schneller gelingen als damals in Deutschland, aber natürlich nicht sofort." Enttäuscht über die Verzögerungen ist Bauer nicht, wie er beteuert.

"Aber als ich damals angefangen habe, mich mit dem Thema zu beschäftigen, habe ich noch nicht geahnt, welche Hürden es zu überwinden gilt." Ein deutscher Landrat sei da eher ungeduldig, sagt der parteilose Bauer.

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