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Flüchtlingskrise, soziale Fragen, Europa - Politik und Wirtschaft sollten nach Ansicht von Bischöfen in Baden-Württemberg stärker auf die Erfahrungen der Kirchen mit weltweiten Problemen bauen. „In diesen schnell wandelnden Zeiten besitzen die Kirchen eine deutlich stärkere Erfahrung als man das gemeinhin glaubt“, sagte der evangelische Landesbischof in Württemberg, Frank Otfried July. „Kirchen sind weltweit vernetzt bis in bildlich jedes Dorf in Afrika.“ Sie seien gute Ratgeber auch für Politiker und Manager.

Auch der katholische Erzbischof von Freiburg warb für den Dialog mit der Kirche. Stephan Burger räumte aber auch ein, „dass sich unsere christliche Ethik nicht verlustfrei in tagesaktuelle politische Entscheidungen umsetzen lässt“.

Nach Ansicht Julys besitzt die Kirche unter anderem bei einem Thema wie Fluchtursachen „sehr starke Wahrnehmungen und ein gutes Netzwerk“. Kamerun komme zum Beispiel kaum vor in den Medien. „Da tobt allerdings ein Fluchtkonflikt, der viele Menschen in die Flucht treibt“, sagte der Landesbischof, der den afrikanischen Staat bereits besucht hat. „Lassen Sie mich zuspitzen: Seenotrettung fängt in Kamerun an.“

Er könne nachvollziehen, dass die vermeintliche oder reelle Perspektivlosigkeit die jungen Menschen zur Flucht treibe. Diese löse das Problem zwar nicht. „Dennoch entwickelt sich dort eine enorme Dynamik“, sagte July.

Globalisierung sei kein Begriff, den Wirtschaftsverbände, Banken oder die Politik für sich in Anspruch nehmen könnten. „Globalisierung gibt es bei Kirchen schon lange“, so July. „Politik und Wirtschaft könnten mehr auf die Kirchen zugehen und deren Erfahrungen abrufen“, warb der Landesbischof, der auf Ebene der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) auch die Kommission für Europafragen leitet.

„Politik ist Politik, Wirtschaft ist Wirtschaft. Beide haben ihre Seh-Bereiche“, räumte er ein. „Ich erwarte aber, dass sie wahrnehmen, wenn wir als Kirchen auf die nicht zuletzt durch die Lebensweise in unseren hochentwickelten Gesellschaften mitverursachten Krisen, Verbrechen und Ausbeutung aufmerksam machen.“

Auch Erzbischof Burger sieht die Kirche als wichtigen Partner: „Wenn Staat und Kirche in einem guten Dialog stehen, können sie sich zum Wohl der Menschen gut ergänzen, ohne dass einer in den Bereich des anderen eingreift.“

Die katholische Kirche könne für die Gesellschaft im Bereich der Sozialpolitik eine wichtige Stütze sein. „Auf Grundlage der Christlichen Soziallehre hat die Kirche wichtige Prinzipien für das Funktionieren einer Gesellschaft entwickelt“, sagte Burger. „Außerdem ist sie selbst ein starker Partner im Feld der sozialen Daseinsfürsorge.“ Kirche sei oft ein Anwalt für die Schwachen. Sie könne als Korrektiv in die Gesellschaft hineinwirken, wenn der Mensch aus dem Blick gerate.

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