Stuttgart Land tut mehr für Tiere und Pflanzen

ANDREAS BÖHME 02.08.2013
Die kurz vor der Sommerpause verabschiedete Naturschutzstrategie ist eine Absichtserklärung: Die Landesregierung will Schritte einleiten, um den Rückgang der Artenvielfalt bis Ende des Jahrzehnts zu stoppen.

Das knapp 120 Seiten starke Papier formuliert den Beitrag des Landes zum EU-Ziel, den Rückgang der Artenvielfalt bis Ende des Jahrzehnts zu stoppen und bis 2025 umzukehren. Schon der Koalitionsvertrag von Grün-Rot sieht vor, die Naturschutzstrategie der schwarz-gelben Vorgängerregierung zusammen mit den Verbänden weiter zu entwickeln und stärker an nationalen Vorgaben auszurichten.

Sehr viele der im Land vorkommenden Tier- und Pflanzenarten haben abnehmende Bestände. Zwischen 30 und 40 Prozent der Arten, bei den Fischen sogar 60 Prozent stehen auf den Roten Listen Baden-Württembergs. Besonders betroffen sind die Arten der Agrarlandschaft, heißt es in dem Papier. Nur bei einzelnen Arten habe sich die Situation verbessert, so beim Weißstorch, bei Wanderfalke, Uhu und Kolkrabe, wo die Schutzmaßnahmen gegriffen haben.

Zu den Schwerpunkten zählen eine naturverträgliche Landnutzung und Siedlungsentwicklung, aber auch Klimaschutz und die Kommunikation für eine nachhaltige Entwicklung. Dazu braucht es allerdings Geld: "Ohne eine deutliche Erhöhung der Finanz- und Personalausstattung ist ein erfolgreicher Naturschutz nicht möglich", heißt es im Vorwort. Für die Finanzierung stehen derzeit rund 37 Millionen Euro jährlich bereit, sie werden um 7,5 Millionen EU-Gelder und weitere internationale und nationale Programme ergänzt. Insgesamt, so das Landwirtschaftsministerium, habe dies aber bei weitem nicht ausgereicht, die Vorgaben zu erfüllen.

An Fläche fehlt es weniger: Zwar sind landesweit 1025 Naturschutzgebiete mit 87 000 Hektar ausgewiesen, das sind aber nur zweieinhalb Prozent der Fläche und damit weniger als der Bundesdurchschnitt. Die wird aber ergänzt durch das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000 mit 260 Fauna-Flora-Habitat-Arealen (FFH, entspricht knapp zwölf Prozent der Landesfläche) und 90 Vogelschutzgebieten, die weitere rund sieben Prozent Fläche beitragen. Noch nicht umgesetzt sind Pläne für weitere FFH-Gebiete auf knapp einer Viertelmillion Hektar. Ebenfalls noch hinzuzuzählen sind die Bann- und Schonwälder des Landes. Zu den 34 Schwerpunkten zählt unter anderem auch die Vernetzung der Biotope.

Die beiden ersten Naturschutzstrategien des Landes stammen von 1989 und 1999. Schwarz-Gelb hat dann 2011 noch eine Fortschreibung vorgelegt, in der Grün-Rot aber konkrete Zeit- und Zielvorgaben vermisst. Kommt hinzu: Die Energiewende mit neuen Stromtrassen, Windparks oder Biogasanlagen stellt neue Herausforderungen dar, wenn sie landschaftsverträglich umgesetzt werden soll.

Der Naturschutzbund bemäkelt zwar, dass es zur Fertigstellung die halbe Legislaturperiode gedauert hat. Nabu-Chef Andre Baumann lobt aber den Inhalt als besonders fortschrittlich. Beim Wald würden die Moore deutlich profitieren.

Info Der Bericht und die Schwerpunkte der Umsetzung stehen unter www.mlr.baden-wuerttemberg.de/Naturschutzstrategie