Psychotherapie Land fördert Psychotherapeuten-Ausbildung im Nordirak

Jan Ilhan Kizilhan will das Institut in Dohuk aufbauen.
Jan Ilhan Kizilhan will das Institut in Dohuk aufbauen. © Foto: Foto: dpa
DPA 09.01.2017

Mit einer Million Euro finanziert das baden-württembergische Wissenschaftsministerium die Ausbildung von Psychotherapeuten im Irak. Im Februar wird das Institut für Psychotherapie in Dohuk im Nordirak eröffnet, im März kann die Ausbildung losgehen. Auf die 30 Plätze haben sich mehr als 60 Interessenten beworben, wie der Initiator des Projekts, Jan Ilhan Kizilhan, Professor für Soziale Arbeit in Villingen-Schwenningen, sagte.

Kizilhan hatte in Zusammenarbeit mit der Landesregierung 1000 Jesidinnen aus dem Nord­irak in den Südwesten geholt und bei Gesprächen mit den Frauen den Mangel an Therapeuten bemerkt. In den Lagern rund um die 500 000-Einwohnerstadt Dohuk leben demnach schätzungsweise 650 000 Menschen. Nach Kizilhans Angaben sind viele von ihnen vor der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) geflüchtet. Sie seien traumatisiert, professionelle Hilfe gebe es kaum.

1800 Stunden Arbeit vor Ort

Die Universitäten Dohuk und Tübingen sowie die Duale Hochschule  Villingen-Schwenningen arbeiten zusammen, um die Zusatzausbildung für Ärzte, Psychologen, Sozialarbeiter oder Lehrkräfte auf die Beine zu stellen. Auf ein Vorbereitungsjahr folgt ein zweijähriges Masterstudium. In dieser Zeit müssen die Studenten 1800 Stunden in den Flüchtlingslagern arbeiten. Ein Team aus 15 bis 20 Fachleuten aus Deutschland und anderen europäischen Ländern wird mehrmals im Jahr nach Dohuk reisen, um die Studenten zu unterrichten. Zudem können die Studenten auf elektronischem Weg Lerninhalte abrufen. Die E-Learning-Module werden an in Villingen-Schwenningen entwickelt. Zweimal pro Jahr kommen alle 30 Studenten für je zwei Wochen nach Baden-Württemberg.

Das Fördergeld in Höhe von einer Million Euro reicht zunächst für den Betrieb des Instituts in Dohuk und für die Finanzierung der acht festen Mitarbeiter und der Dozenten. 120 000 Euro wurden laut Wissenschaftsministerium schon ausbezahlt. Nach drei bis vier Jahren wird das Geld aufgebraucht sein. dpa