Stuttgart Land bündelt Prävention vor Extremismus

Thomas Strobl (CDU), Innenminister von Baden-Württemberg, spricht während einer Pressekonferenz. Foto: Sebastian Gollnow/Archiv
Thomas Strobl (CDU), Innenminister von Baden-Württemberg, spricht während einer Pressekonferenz. Foto: Sebastian Gollnow/Archiv © Foto: Sebastian Gollnow
Stuttgart / DPA 04.06.2018

Zur Vorbeugung von Extremismus aller Art versammelt das Innenministerium künftig etliche Experten unter einem Dach. Es brauche ein dichtes Netz, um von Extremismus gefährdete Menschen aufzufangen, machte Innenminister Thomas Strobl (CDU) am Montag bei der Eröffnung der „konex“-Diensträume im Stuttgarter Zentrum deutlich. Es gelte, Radikalisierungstendenzen möglichst frühzeitig zu erkennen - unabhängig davon, um welche Form des Extremismus es sich handele. Es gebe keinen unverwundbaren Staat, mahnte Strobl. Die Demokratie und die freiheitliche Gesellschaft müssten beständig verteidigt werden.

Im „konex“ sollen Gruppen wie Lehrer, Polizisten oder Sozialpädagogen geschult werden, die verstärkt mit Radikalisierungen in Berührung kommen. Wie lässt sich sowas möglichst früh erkennen? Auch soll Jedermann bei „konex“ Hilfe bekommen, etwa Angehörige oder Bekannte gefährdeter Personen. Welche Hinweise, Verhaltensweisen sind Alarmzeichen?

„konex“ soll aber auch Anlaufstelle für Aussteiger sein, die sich radikalisiert haben. So suchte die bisherige Beratungsgruppe gegen Rechtsextremismus „BIG Rex“ des Landeskriminalamts laut Strobl in den vergangenen gut 15 Jahren fast 2600 Mitglieder der Szene auf, 600 stiegen seit 2001 aus, 200 wurden von „BIG Rex“ dabei betreut. „konex“ will sowas auch für Ausländer- und Linksextremismus aufbauen.

Das Kompetenzzentrum gibt es seit 2015, bislang koordinierte es das landesweite Präventionsnetzwerk gegen den islamistischen Extremismus. Die Arbeit wurde seit Anfang des Jahres auf alle Formen des politischen oder religiösen Extremismus ausgedehnt. 2019 soll „konex“ mit 27 Mitarbeitern ausgestattet sein.

Der Verfassungsschutz beobachtet 3600 Islamisten im Land. Darunter sind 750 Salafisten, die einer rückwärtsgewandten Strömung des Islam anhängen. Als erhebliches Sicherheitsrisiko werden Rückkehrer aus den von der Terrormiliz IS kontrollierten Gebieten in Syrien oder im Irak angesehen. Als Linksextremisten werden 2750 Menschen in Baden-Württemberg eingestuft, 860 davon werden Gewalttaten zugetraut. Zudem beobachtet der Verfassungsschutz 1630 Rechtsextremisten, von denen 770 zum gewaltbereiten Spektrum gezählt werden.

Kompetenzzentrum zur Koordinierung des Präventionsnetzwerks

Beratungsstelle Baden-Württemberg

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