Glosse Land am Rand: Von der Deponie in die Vitrine

Isabelle Jahn 12.09.2017
Wer sagt denn, dass Müll immer auf die Müllkippe gehört? Sehenswerte Stücke machen sich auch in einer Ausstellung gut. Das beweist ein Museum in Bad Säckingen.

Bitte nicht anfassen! Der Hinweis gehört zu einem Museum wie die Sicherheitsleute, die die Besucher mit Argusaugen bewachen. Die Ausstellungsstücke sind nun mal so wertvoll, dass sie auf keinen Fall kaputt gehen dürfen. Meist hat das Museum viel Geld für sie bezahlt. Bei einem Museum in Bad Säckingen (Landkreis Waldshut) ist das ganz anders: Dort wird ausgestellt, was einst völlig wertlos war – Müll. Auf fünf Etagen und nach Themen geordnet sind im ersten Müllmuseum Deutschlands zahlreiche Gegenstände zu sehen, die beinahe das Feuer verschlungen hätte. Ihr Retter ist Erich Thomann, der als Planierraupenfahrer auf der benachbarten Mülldeponie „Lachengraben“ arbeitete. Das, was er in 20 Jahren Deponiearbeit zu schade fand, um platt zu walzen, nahm er mit nach Hause. „Mit einem kleinen Teddybär fing alles an“, heißt es auf der Internetseite des Museums. Der sah Thomann vom Müllberg aus so traurig an, dass er ihn nicht mit der Raupe kaputt fahren wollte. Er stieg aus und nahm den Teddy mit heim. Das war vor 26 Jahren. Seitdem hat Erich Thomann noch viele weitere Schätze gefunden und ihnen einen neuen Wert verliehen: neben – zum Teil auch technischem – Spielzeug etwa einen uralten Miele-Waschautomaten, alte Trachten oder eine Schaffhauser Bibel aus dem Jahr 1743. Platz fand und findet der Krimskrams in der Ex-Scheune samt Kuhstall, liebevoll eingerichtet, selbstverständlich mit Baumaterial von der Mülldeponie. 1998 haben die Thomanns sogar noch angebaut – der Müll geht ihnen halt nie aus.