Land am Rand: Vom Schießen und Schreiben

Tobias Knaack 11.03.2017

Susanne Eisenmann hat sich geirrt. Aufgeschreckt von den niederschmetternden Ergebnissen der letzten Bildungsstudien hatte die Kultusministerin vergangenen Dezember einen Brief an die Grundschullehrer im Land verfasst, in dem sie sie aufforderte, Rechtschreibung wieder verstärkt in den Blick zu nehmen. „Richtiges Schreiben ist wie Lesen und Rechnen eine Schlüsselkompetenz, die wieder gestärkt werden muss“, polterte sie und wollte dem „Schreiben nach Hören“ kurzerhand den Garaus machen. An den betreffenden Institutionen sorgte Eisenmanns Verbalkeule erwartungsgemäß für Empörung.

Zurecht, wie wir seit der aktuellen Ausgabe des Jagdmagazins „Der Jäger“ wissen. Denn die Probleme mit dem Schreiben liegen im Land offenbar weniger in der Grundschule, sondern vielmehr in Wald und Flur. In einem dramatischen Aufruf im Anzeigenbereich des Magazins fordert die Inseraten-Abteilung: „Bitte deutlich schreiben!“ Sorgfältige Handschrift „(möglichst in Druckbuchstaben)“ wird erbeten, „um uns eine schnelle Bearbeitung Ihrer Anzeige ohne zeitaufwändiger Rückfragen zu ermöglichen.“ (Im Original so erschienen.)

In einer Kurzanalyse kann also festgehalten werden: Während es mit der ruhigen Hand beim Schießen offenbar schon ganz gut klappt, bekommen die Jäger beim Schreiben das große Zittern. Neben Jagdrecht und fachgerechtem Ausnehmen der Tiere sollte künftig also auch ein Diktat zur Erlangung des Jagdscheins obligatorisch werden. Frau Eisenmann, übernehmen Sie!