Ulm Land am Rand: Stuttgart 21 als Brettspiel

Für Stuttgart 21 und die Neubaustrecke nach Ulm bohrt man derzeit große Löcher. Das brettspielerische Potential dabei wird aktuell aber noch unterschätzt.
Für Stuttgart 21 und die Neubaustrecke nach Ulm bohrt man derzeit große Löcher. Das brettspielerische Potential dabei wird aktuell aber noch unterschätzt. © Foto: dpa
Ulm / Fabian Ziehe 13.10.2017
Könnte man nicht das S-21-Bauprojekt mit einem Brettspiel bewerben? Wie das gehen könnte, machen derzeit die norddeutsche Tunnelbohrer vor.

Man mag von Stuttgart 21 halten, was man will. Aber mit Blick auf Projekt-Kommunikation hat das Bauvorhaben nach schwachem Start ja mittlerweile groß nachgelegt. Broschüren, Führungen, Multimedia-Bling-Bling: Die PR-Maschine dreht sich aktuell so ungebremst wie Tunnelbohrer Suse durch den Filderboden. Doch nun zeigen ausgerechnet Nordlichter, wie man in Sachen Öffentlichkeitsbearbeitung wirklich große Löcher bohrt.

Es geht um ein großes, langes Loch: das unter dem Fehmarnbelt hinweg. Ein 17,6 Kilometer langer Straßen- und Bahntunnel unter der Ostsee soll künftig das deutsche Fehmarn und das dänische Lolland verbinden – eine Ingenieursleistung, die jener in und um Stuttgart in nichts nachsteht. Um das zu würdigen, haben die Bauherrn nun ein Brettspiel veröffentlicht – ein fieses Stück Propaganda, schäumen die Gegner des Vorhabens.

Nun berichtet das „Flensburger Tageblatt“, dass Tunnel-­Konkurrent und Fähren-Betreiber Scandlines gar klagen will. Denn im Spiel, bei dem man schnell von Hamburg nach Kopenhagen kommen soll, kriegt der Spieler eine Zeitstrafe, wenn er auf dem Fährhafen zum Stehen kommt. Der schnellste Weg führt – logo – durch den neuen, schönen Tunnel.

Die lieben Kleinen spielerisch auf Projekt-Kurs bringen – wäre das nicht was für Stuttgart? Die Ideen liegen auf der Hand: Wie wäre es mit „Verzögere dich nicht“ oder „Magistralopoly“. Auch „Das vergipste Labyrinth“ verspricht Spaß. Das dickste Brett wäre aber definitiv dieser Klassiker: „Die Umsiedler von der Bahn“.