Weihnachtsmarkt Land am Rand: Mit Würze und Wärme

Heilbronn / Hans Georg Frank 16.12.2016

Ohne Glühwein ist der Besuch eines Weihnachtsmarktes weder denkbar noch vollständig. Zwischen den Buden wird erwärmter Rebensaft in solchen Mengen in frierende Leiber geschüttet, als ob diese Flüssigkeitszufuhr gesetzlich vorgeschrieben oder wenigstens vom Arzt oder Apotheker aufgedrängt worden wäre. In ganz Deutschland werden jährlich 50 Millionen Liter dieser temperierten Gewürzmischung konsumiert. Tendenz steigend, stark steigend.

Dominik Thiele, aus Berlin  stammender Sommelier mit Erfahrung in besten Häusern, hat im Rahmen seines Studiums der Weinbetriebswirtschaft in Heilbronn einen Glühweintest dort ausgerichtet, wo er derzeit massenweise getrunken wird. Also direkt auf dem Weihnachtsmarkt. Für das Experiment suchte er sieben Produkte aus, allesamt weiße Glühweine.

Die willfährigen Probanden erfuhren dabei, dass beim Weißen weniger geschummelt werden kann als beim (noch) beliebteren Roten. Mit minderwertigem Ausgangsstoff, Süße und Farbe lässt sich offenbar mancher Mangel vertuschen.

Bei der Verkostung schnitt eine Cuvée aus mehreren Sorten ebenso schlecht ab wie eine Brühe, deren Grundmaterial vorsichtshalber verschwiegen wird. Thieles Tipp: Immer nach dem Winzer fragen.

Bei dem aufopferungsvollen Versuch wurde das Konsumverhalten nach dem ausgiebigen Glühweingenuss leider nicht erforscht. Angeblich soll mit zugedröhnter Birne tütenweise solcher Kram gekauft werden, der allenfalls zum Schrottwichteln taugt. Hans Georg Frank