Glosse Land am Rand: Mit Waffen zum Gemüse

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Heilbronn / Hans Georg Frank 07.12.2017
Vater und Sohn stehlen zwei Kilo Zucchini von einem Acker – und werden erwischt. Auf den Tatvorwurf „Diebstahl mit Waffen“ stehen bis zu zehn Jahre Haft.

Diebstahl mit Waffen warf die Staatsanwaltschaft Heilbronn einem Vater und seinem 15-jährigen Sohn vor. Was sich anhört wie ein brutales Verbrechen, bei dem keine Rücksicht oft mögliche Opfer genommen wird, ist in diesem besonderen Fall eher eine Lappalie. Niemand wurde verletzt, der Schaden ist gering.

Der 39-Jährige und sein Filius wollten das Gemüsefach der Familie mit vielseitig verwendbaren Zucchini auffüllen. Den Nachschub hätten sie sich bei diversen Läden besorgen können. Aber das Duo entschied sich für den Direktbezug vom Feld, allerdings ohne den Bauern zu fragen. Auch an eine Bezahlung der kalorienarmen Vitaminlieferanten war offenbar nicht gedacht.

Beim Beutezug auf dem Acker wurden die Nahrungsbeschaffer von Mitarbeitern des Vollzugsdienstes der Stadt Bad Friedrichshall ertappt. Zwei Kilo Zucchini waren schon abgeschnippelt. Weil für die illegale Ernte Messer benötigt und benutzt wurden, lautet der Tatvorwurf „Diebstahl mit Waffen“. Das Strafgesetzbuch (Paragraf 244) sieht dafür Freiheitsentzug bis zu zehn Jahren vor.

Sie hätten „nicht nachgedacht“, gestanden die beiden vor Gericht. Weil die Waffen sofort den Aufpassern ausgehändigt wurden, beließ es der Richter bei einer Verwarnung. Allerdings verbunden mit einer saftigen Geldauflage. 600 Euro muss der Papa an eine Stiftung zahlen. Nach der Rechnung des Gerichts hätte er dafür gut 400 Kilo Zucchini kaufen können. Laut Statistik deckt diese Menge den Jahresbedarf von 235,3 Haushalten.