Forschung Land am Rand: Mais-Diät macht aus Hamstern Kannibalen

Alfred Wiedemann 09.03.2017

Raus aus den Federn,  liebe Feldhamster, der Winterschlaf ist bald vorbei. Hoffentlich haben viele der putzigen Nager überlebt, in ganz Baden-Württemberg gibt es vermutlich nur noch 100 Exemplare. Früher wuselten sie im ganzen Land umher. Als immer mehr Grün planiert und immer mehr Tiere gejagt wurden, starben sie fast komplett aus. Heute leben im Südwesten gesichert nur noch auf Mannheimer Gemarkung welche und eventuell im Main-Tauber-Kreis. Sie überleben, weil Landwirte dafür bezahlt werden, dass sie Luzerne als Futter und Sichtschutz aussäen und Feldstreifen lange stehen lassen. Im Heidelberger Zoo werden sogar Feldhamster gezüchtet und in die freie Wildbahn entlassen. Fuchs oder Greifvögel holen sich aber viele der Tiere. Und die Hamster, die entkommen, müssen gucken, wie sie ihre Backen füllen.

Mais, in Massen angebaut als Biogas-Nachschub, ist nichts für den Speisezettel: Bei Feldhamstern im Elsass haben Wissenschaftler jetzt herausgefunden, warum die Population trotz millionenschweren Aktionsplans nicht wächst. Einmal, weil Maismonokulturen im Frühjahr keinen Sichtschutz bieten. Hauptsächlich aber deswegen, weil Hamsterweibchen auf Maisdiät ihre Jungen kurz nach der Geburt auffressen. Mais-Mampf führt zu Mangel an Vitamin B3, und der macht aus süßen kleinen Fellknäueln Kannibalen! Nur gut, dass hiesige Hamster nicht auf Mais angewiesen sind. Dem Land und der Stadt Mannheim Lob und Dank für ihre maisfreie Hamster-Förderung.