Stuttgart Land am Rand: Literatur mit Happy Endplatz

Stuttgart / Tobias Knaack 20.07.2017
Klassik, Renaissance, Moderne – die Literatur hat uns grandiose Stile geschenkt. Nun macht sich eine neue Gattung auf den Weg: das Beamtendeutsch. Eine Glosse.

Die deutsche Literatur hat über die Jahrhunderte viele Stile hervorgebracht: Aufklärung, Klassik, Moderne. Zentrum der Hochromantik etwa war Heidelberg. Eine relativ neue Gattung ist nun das Beamtendeutsch. Kürzlich drängte ein junger Autor unter dem Pseudonym „Polizei Kon­stanz“ mit einem anrührenden Werk über einen Hund auf den Markt. Hauptcharakter ist „Lithium“, für den ein neues Zuhause gesucht wird.

Merkmale des Beamtendeutsch – insbesondere seiner Sub-Gattung „Pressemitteilung“ – sind Klarheit, emotionale Nähe und positiver Grundton. Zwei Beispiele? „Der Hund wurde im Mondioring sowie Fährtenarbeit vorgearbeitet und verfügt über guten Grundgehorsam.“ Und: „Malinois sucht hundeerfahrenen Endplatz.“ Wo in einer Betrachtung der Literaturepochen das Beamtendeutsch mit seiner Kapitale Konstanz letztlich einzuordnen ist, wird die Zukunft weisen. Seine schlichte Schönheit und stilistische Sicherheit aber sind heute schon unstrittig.

Die Suche nach einer Bleibe für Lithium nimmt ihren Ausgang übrigens, als der Hund wegen einer Schultererkrankung aus dem Polizeidienst ausscheidet. Ein dramatischer Wendepunkt, an dem der Vier- quasi zum Dreibeiner wird. Dabei spart der Autor nicht mit Hinweisen; beim Namen etwa, ist Lithium doch ein chemisches Element mit der Ordnungszahl drei. Weiteres Merkmal des Beamtendeutsch: das Happy End, pardon, der Happy Endplatz. Denn der ist, so der Autor, inzwischen gefunden. Lang lebe Lithium!