Keiner weiß, woher er kommt und wohin er gehört – doch jeder rätselt und fühlt mit. Dieser Geißbock, den die Polizei nach einen Unfall bei Schopfheim als Verursacher einfangen ließ, ist ein Kaspar Hauser mit Bart, Horn und strengem Geruch. Der Ausreißer war vergangene Woche aus dem Wald auf eine Straße gesprungen und hatte einen Fahrer sein Auto gegen einen Leitpfosten lenken lassen.

Das wollte er bestimmt nicht, der arme Bock Kaspar. Er wollte nur raus, in den Schnee, in den nahen Schwarzwald oder rüber zu den Eidgenossen. Gewiss war er in Weihnachtsstimmung, suchte Ochs’, Esel und die restliche Bagage – wenn man Kaspar heißt, drängt es einen zu solchen Besuchen. Nun aber hat er es, ja,  verbockt. Er  steht als Verkehrs-Sündenbock in einem Stall in Schwörstadt und muss sich gefallen lassen, dass sein neuer Herbergsvater ihn „notfalls auch gerne behalten“ würde. Notfalls! Auch! Gerne!

Überhaupt muss der Bock, so er denn lesen kann, sich sehr über die Nachrichten zu seinem Fall wundern. „Mit einem Fahndungsfoto sucht die Polizei den Besitzer eines Geißbocks...“ – dabei zeigt das Bild nur ihn, Kaspar. Sein gesuchter Besitzer ist kein Bock. Allenfalls ein Hornochse. Den Bock hat dieser nur lediglich nicht mehr – im Wortsinn und wohl auch hinsichtlich der Tatsache, dass er keine Lust auf das Begleichen der 600 Euro Unfallschaden hat.

Kaspar, so die Polizei, droht,  in sechs Monaten zur „Fundsache“ zu werden. Nicht auszudenken! Ein Weihnachtswunder muss her. Das dürfen wir nicht verbocken!