Glosse Land am Rand: Fertigessen und Fertigkonzept

Ulm / Tobias Knaack 04.10.2017
Deutschland ist herrlich führerschein-fixiert. Das fängt im Freizeitpark an, geht beim Radparcours weiter und endet – aktuell bei der Ernährung. Eine Glosse.

Was ist das höchste Ziel der Deutschen? Glück? Gesundheit? Falsch, der Führerschein! Im Freizeitpark gurken wir  in gummi-ummantelten Karossen im Kreis. Führerschein. Mit dem Fahrrad auf dem Schulhof drei Hütchen umgehauen? Führerschein. Selbst für überstandenes Ponyreiten soll es entsprechende Zertifikate gegeben haben. Der Lappen ist das Ziel, nicht der Weg. Wobei das eine ja mit dem anderen zusammenhängt...Egal, wir sind jedenfalls ein verdammt führerscheinfixiertes Volk. Umso erleichterter sind wir, dass es im Südwesten nun einen Ernährungsführerschein für Grundschulkinder gibt. Der ist laut Bundeszentrum für Ernährung „ein fertig ausgearbeitetes Unterrichtskonzept für die dritte Klasse, bei dem der praktische Umgang mit Lebensmitteln und Küchengeräten im Mittelpunkt steht“. Fertigkonzept versus Fertigessen also. Um es mit Herbert Grönemeyer zu sagen: „Kinder an die Macht“ – an Obst und Salat. Wider die „Armee aus Gummibärchen“ und die „Panzer aus Marzipan“.

Das passende Zitat hat Friedlinde Gurr-Hirsch, Staatssekretärin im Landwirtschaftsministerium: „Kochsendungen im Fernsehen können das eigene Zubereiten und Genießen nicht ersetzen.“ Lange schien es in der Tat, als wäre die Kulinarik-Kompetenz zwischen den Kochkunst-Konkurrenzen im TV verschollen. Quarkstollen für die Massen – und die Quote. Als hätten wir den Leibspeise-Lappen verloren. Jetzt aber holen wir ihn uns zurück, denn – nochmal Grönemeyer – wir sind ja schon als Kind auf Führerschein geeicht.