Aschermittwoch Land am Rand: Einschlafhilfe zu Aschermittwoch

Ulm / Roland Müller 01.03.2017

Es gibt Verbände, die kein Aas kennt, die aber dennoch etwas zu sagen haben. Dazu gehört auch der „Verband der Redenschreiber deutscher Sprache“. Dessen Ziel:  die Verbesserung der Redekultur im deutschsprachigen Raum. Wohlan:  ein durchweg edles und untadeliges Unterfangen. Aber, au Backe: ebenso eines, bei dem selbst dem guten Sisyphos die Ausdauer flöten ginge, so viel liegt da im Argen. Doch das ficht die Redenschreiber nicht an, im Gegenteil. Sie haben sich nun ein echtes Kaliber deutscher Rede-Unkultur vorgenommen: den politischen Aschermittwoch.

„Humor darf nicht verletzen“ ist der Appell an die politischen Bierzelt-Tribune überschrieben. Man möge doch bitte im Wahljahr nicht die gute Kinderstube vergessen und beleidigend werden. „Eine Pointe über den Gegner unter der Gürtellinie bleibt auch am Aschermittwoch eine persönliche Verletzung“, warnt Redenschreiber-Landeschef Gerd Heimisch aus Kirchheim/Teck.

Das stimmt zwar. Doch beschleichen uns leise Zweifel, ob die Autoren des Aufrufs in den letzten Jahren je einen politischen Aschermittwoch besucht haben, zumal im Südwesten. „Deftige Pointen“,  „geharnischte Sprüche“ oder gar „Humor“ wurden dort der Legende nach zuletzt in den 80er Jahren beobachtet. Statt der Gefahr von Beleidigungen überwiegt heute beim Zuhörer eher das Risiko, während der Reden in einen tiefen, traumlosen Schlaf zu fallen oder aus Langeweile im Bierkrug Schiffe versenken zu spielen. Daher unser Appell an den Verband der Redenschreiber: Hilfe!