Glosse Land am Rand: Ein Fest der Begegnungen in Heilbronn

Hans Georg Frank 13.09.2017

Das Weindorf in Heilbronn ist seit 47 Jahren ein Schauplatz überraschender Begegnungen. Dass sich, wie jetzt geschehen, Politiker wie Thomas Strobl und Günther Oettinger durch das Sortiment der Winzer probieren, ist normal.

Ungewöhnlich dagegen ist das Auftauchen so genannter Phantome der Superlativ-Klasse. Durch das Getümmel am Rathaus spaziert völlig unbehelligt der Kaufmann Dieter S. (77), der mit einem hochgerechneten Vermögen von 37 Milliarden Euro angeblich der reichste Deutsche sein soll. Der Herrscher über Kaufland und Lidl, der sich sonst gerne unsichtbar macht, flaniert entspannt von Stand zu Stand wie Herr Jedermann. Wer ihn kennt, grüßt freundlich und lässt ihn in Ruhe. Kein Paparazzo
belästigt ihn.

Um Tarnung ist der einstmals mächtigste Milchmann Europas nicht bemüht. Wolfgang W. (82) hat zum lässigen Outfit einen passenden Hut, wie er wohl in seiner Zweit-Heimat Paraguay üblich ist. Der nach eigener Einschätzung „größte Manager im Umkreis von 200 Kilometer“ herrschte früher über ein Molkerei-Imperium. Zu zwei Bewährungsstrafen wegen Steuerhinterziehung und Untreue sowie Geldbußen in Millionenhöhe hat ihn das Landgericht Stuttgart verurteilt. Das Dominanzgehabe, das er vor Jahrzehnten in den Prozessen zur Schau gestellt hat, ist noch gut zu erahnen, wenn er über den Festplatz schreitet.

Jeden Tag ist mit weiteren Begegnungen zu rechnen. Das Weindorf endet ja erst am
Sonntag.