Glosse Land am Rand: Gelber Sack als Western-Requisite

Vom Winde verweht? Dieser Gelbe Sack wartet noch auf seinen großen Auftritt.
Vom Winde verweht? Dieser Gelbe Sack wartet noch auf seinen großen Auftritt. © Foto: Roland Flad
Roland Müller 03.01.2018
Rollende Bodenläufer im Wind („Tumbleweed“) sind ein Western-Mem. Auf der Schwäbischen Alb muss dafür der Gelbe Sack herhalten.

Wenn’s im Westernfilm ernst und einsam wird; wenn sich die Straßen leeren, weil gleich Kugeln fliegen oder sich der Siedler-­Treck durch die Steppe quält, dann darf eines nicht fehlen: Ein trockener Busch rollt durchs Bild, angetrieben von Wind und Cowboy-Dramaturgie. „Bodenläufer“ (engl. Tumble­weed) werden die Pflanzen genannt, die längst auch ein kulturelles Symbol geworden sind für abgelegene Orte, die trocken und humorlos sind.

Auf der Schwäbischen Alb oder generell im Südwesten muss die Rolle des Steppenläufers aus Vegetations-Gründen meist anders besetzt werden: vom Gelben Sack. Die Zweitbesetzung hat nicht ganz die aerodynamischen Eigenschaften seiner strauchigen Vorbilder, aber er tut sein Bestes, wie er gerade jetzt in diesen stürmischen Zeiten nach Silvester durch ferienbedingt ausgestorbene Straßen kullert. Im Gegensatz zum Wilden Westen ist die große Schießerei bei uns just vorbei – andere Länder, andere Sitten.

Ernst und humorlos kann’s trotzdem werden, wenn der Müll-Sheriff durchs Viertel stakst und Nachbarn aufs Korn nimmt, die mal wieder zwei Tage zu früh ihren bald vagabundierenden Verpackungsmüll an der Straße drapiert haben. Da verbarrikadiert man sich lieber im Haus, schaut die Wiederholung von „Erbarmungslos“ und wartet, bis alles vorbei ist.

Auch in Europa gibt es übrigens Bodenläufer, etwa den „Blasenstrauch“, das „Ruthe­nische Salzkraut“, und den „Kicher-Tragant“. Letzterer ist aber auch wirklich das einzig Heitere an dem Thema.