Stuttgart / Roland Müller Ob Fußgänger oder Sadomasochisten: Deutschland ist ein Paradies für Verbände aller Art. Unser Favorit sind die Junggärtner im Land. Da wünscht man sich glatt den grünen Daumen.

Am Anfang war das Chaos, zumindest wenn man den alten Griechen glauben mag. Und aus der gähnenden Leere stieg: die Finsternis. Kurz danach, so genau weiß man es nicht mehr, müssen sie gekommen sein: die Verbände. Um mal ein bisschen Ordnung reinzubringen.

Und so ist Deutschland heute ein blühender Garten für Vereinshuber jeder Couleur: keine Branche, kein Beruf, kein Hobby ohne Interessenverband. Niemand muss alleine sein. Wobei, beim „Bundesverband für Partnersuchende e.V.“ kann man das so oder so auslegen. In jedem Fall geht alles in geregelten Bahnen, wenn Institutionen wie der „Fachverband Fußverkehr“, der  „Zentralverband Naturdarm“, der „Verein Pro Traubensaft“ und die „Bundesvereinigung Sadomasochismus e.V.“ darüber wachen, dass niemand unter die Räder kommt (wobei wir im letzteren Fall wieder so eine Auslegungssache hätten).

Doch während manche der Genannten eher, mit Verlaub, Papiertiger sind, hat uns der Grad der Aktivitäten verblüfft, den die „Junggärtner Baden-Württemberg“ an den Tag legen. Da gibt es einen knallharten Berufswettbewerb im Wettgärtnern, eine Homepage (www.junggaertner-bw.de) mit attraktiven Funktionären, Merchandising-Shop und zwei (!) Geschäftsstellen allein im Südwesten. Das Gärtnerhandwerk, so scheint’s, ist doch schillernder als uns bisher bewusst gewesen war. Von solchen Leuten würde man sich auch gerne vertreten lassen. Leider kann die „Land-am-Rand“-­Redaktion aber nicht einmal eine Topfpflanze am Leben erhalten.