Glosse Land am Rand: Blühende Randschaften

Ulm / Tobias Knaack 20.06.2017

Die deutsche Sprache kennt viele ebenso schöne wie nützliche Wörter: Restriktionsfragmentlängenpolymorphismus etwa. Zu klären, was das heißt, dafür reicht der Platz hier freilich nicht. Etwas weniger sperrig: das Verkehrswegeplanungsbeschleunigungsgesetz. Grazil reiht sich Hauptwort an Hauptwort zu einem neuen Hauptwort. Und es führt auf die richtige Spur, denn: Verkehr ist das Thema. Konkreter: Straßenbegleitgrün. Noch zwei Hauptwörter weniger als Verkehrswegeplanungsbeschleunigungsgesetz, aber doch auch hübsch, durchaus gelungen. Neben  Suppen- und Tannengrün definitiv unser neues Lieblingsgrün.

Das Landesverkehrsministerium will Straßenbegleitgrün vorantreiben – „zur Erhöhung der biologischen Vielfalt entlang von Straßen“ und zum „Schutz heimischer Tier- und Pflanzenarten“, wie es heißt. Die Idee: Wenn schon mehrspurige Verkehrsschneise, dann wenigstens adrett floral eingerahmt. Kommt das dann dem nahe, was uns einst Einrichtungssendungen im TV sprachlich geschenkt haben? Eine „Wohlfühloase“ für Autofahrer nach dem Motto:  Verkehr fließt, Pflänzchen sprießt, Asphalt glüht, Blume blüht.

Straßenbegleitgrün jedenfalls – sowas passiert eben, wenn in der deutschen Sprache Verkehr auf Ökologie trifft: ein Unfall. Im Übrigen hätten wir analog dazu auch für den Flugverkehr einen Vorschlag. Das ist, da der Stuttgarter Flughafen sich als „Fairport“ versteht, nur, naja, fair: die Startbahnrandbeheckung. Die bietet auch Schutz – und dem Deutschen ein weiteres tolles Wort.