Glosse Land am Rand: Alte Männer, goldene Bücher

Tobias Knaack 03.03.2017

Bud Spencer war ein freundlicher Mann. Besonders an jenem Tag vor gut fünf Jahren in Schwäbisch Gmünd. Spencer, bürgerlich: Carlo Pedersoli, war in den Ostalbkreis gekommen, weil er ein künftig nach ihm benanntes Schwimmbad einweihen sollte. Der italienische Schauspieler, der es an der Seite von Terence Hill mit Spaghetti-Western zu einer großen Anhängerschaft gebracht hat, ließ die Prozedur geduldig über sich ergehen: die Lobhudeleien, die verbale und körperliche Distanzlosigkeit – und auch den ihm abschließend angetragenen Eintrag ins Goldene Buch der Stadt absolvierte er mit der Souveränität eines gereiften Mannes.Alte Männer und goldene Bücher: Auch Baden-Baden kann da eine Geschichte beisteuern. Die geht aber genau andersherum wie in Gmünd. Denn in der Kurstadt ist es nicht das Goldene Buch, das dem Prominenten angedient wird, sondern der Prominente, der zu den Seiten der Ehre kommt. Oder besser gesagt: Kommen will. Denn die Stadt lehnt ab. Der Zurückgewiesene? Ein gewisser Donald Trump, heute US-Präsident. Damals „nur“ Milliardär ohne politisches Amt, wollte er sein Buch vorstellen, die Kosten für Anreise, Kost und Logis aber der Stadt in Rechnung stellen – und gleich noch Ehrenbürger werden.

Gut 13 Jahre ist das her, jetzt kam die Geschichte wieder auf. So wirklich beruhigend erscheint die weltpolitische Entwicklung auch aus dieser Perspektive nicht, wenn die Gäste, die sich selbst einladen, auf der globalen Party heute auch noch die Musik machen dürfen. Damals tanzte Baden-Baden immerhin nicht nach seiner Pfeife.