Stuttgart Land am Rand: Alles cool im Modul?

Stuttgart / Tobias Knaack 18.01.2017

Neben einigen brauchbaren Leseanreizen  ist aus dem Deutschunterricht vor allem eines hängen geblieben: das Sender-Empfänger-Modell von Friedemann Schulz von Thun. Grob vereinfacht geht das so: Wir hören mit vier Ohren – also natürlich nicht im physiognomischen Sinne. Aber wir decodieren Gesagtes unter vier Gesichtspunkten: Sachaspekt, Beziehungsaspekt, Appell, Selbstaussage.

Das ist hilfreich und doch gibt es Momente, wo man denkt: Ich verstehe die Worte, aber nicht der Worte Sinn. Oder ins Digitale übersetzt: Ich verstehe die einzelnen Bilder, aber nicht des Videos Sinn. So wie im Fall eines Werks der Uni Stuttgart zum Thriller-Thema „Modulevaluation“. Eine Studentin versucht eine Mail der Uni zur Evaluation zu löschen. Beim abermaligen Versuch fängt der digitale Papierkorb auf dem Display diabolisch zu leuchten an, der nebenstehende Kaffee (in der Bibliothek?) vibriert, dann wird die junge Dame in ihren Laptop gezogen. Als Avatar landet sie auf dunklem Boden, versucht zu fliehen, wird von einer Greifzange gejagt und geknebelt und gefesselt vor einen Bildschirm gesetzt. Von dort erhält sie Erhellendes: Modulevaluation ist wichtig, sichert die Studienqualität – und dauert nur zwei Minuten. Dafür benötigt das Video viereinhalb Minuten.

Nochmal Schulz von Thun: Der Appell ist klar. Evaluiere! Aber wie steht es mit der Beziehung zwischen Uni und Student? Fessel, Knebel, Greifzange? Klingt nicht gerade nach freiem Studium. Vielleicht braucht es auch nur ein fünftes Ohr – für Unis.