Stuttgart Land am Rand: 71.000 Euro teures Ja-Wort

Stuttgart / Kerstin Vlcek 07.02.2017

Was in Vegas passiert, bleibt in Vegas, beteuert der Volksmund. Dieser Umstand interessierte das Landessozialgericht Stuttgart gestern aber nicht die Bohne – warum auch? So muss eine 76-Jährige nun für elf Jahre Witwenrente zurückzahlen. Ihr Vergehen: Die Frau hatte ihre zweite Heirat Ende 2002 in Las Vegas nicht ordnungsgemäß gemeldet. Daher bezog sie die Witwenrente für ihren 1996 verstorbenen ersten Mann  mehr als ein Jahrzehnt lang weiter. Das Ja-Wort im Western-Stil in der „Candlelight Wedding Chapel“ kommt sie nun also sehr teuer zu stehen: mit sage und schreibe 71.000 Euro.

Dabei hatte ihre Argumentation zunächst gezogen:  Eigentlich habe sie nicht noch einmal heiraten wollen. Ihr Lebensgefährte habe sie aber zu Weihnachten mit Flugtickets nach Las Vegas überrascht. Man heiratete – im Glauben, die Ehe sei in Deutschland ungültig. Das Sozialgericht als erste Instanz überzeugte das.

Doch nicht das Landessozialgericht: Der Frau hätte einleuchten müssen, dass die Zeremonie in Las Vegas nicht ohne rechtliche Bedeutung war. Das Paar habe schließlich Gebühren zahlen und Angaben zum Familienstand machen müssen.

Auch wenn die Stadt in der Wüste Nevadas mit seinen Hochzeitskapellen zu ungestümen Entscheidungen einladen mag, ließ das Gericht das Argument „spontaner Urlaubsspaß“ nicht gelten. Die mittlerweile zweifache Witwe – ihr zweiter Mann verstarb 2014 – habe schließlich die Sterbeurkunde ihres ersten Mannes im Gepäck gehabt.