Schulpolitik Längere Gymnasialzeit: Eltern im Land wollen es wissen

Stuttgart / Jens Schmitz 22.06.2018

Eine Online-Petition zur flächendeckenden Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums (G9) hat ihr Quorum schon zur Halbzeit erreicht: Innerhalb von drei Monaten wurde die Initiative zweier Mütter von gut 24 000 Baden-Württembergern gezeichnet. Die Organisatoren sammeln weiter.

„Wir wünschen uns mehr Zeit für Bildung“, sagte Anja Plesch-Krubner, die das Projekt zusammen mit Corinna Fellner vorstellte. „Und zwar für schulische, aber auch für außerschulische Bildung.“ Aus ihrer Sicht bietet das achtjährige Gymnasium nur Nachteile, auch die Politik habe bislang keinen pädagogischen Nutzen aufzeigen können. Die selbst gesteckten anderen Ziele habe die Schulzeit-Reduzierung verfehlt.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) erteilte dem Ansinnen umgehend eine Abfuhr. „Diese immer wieder aufgewärmten Debatten erzeugen Unruhe und haben keinen qualitativen Mehrwert“, erklärte die Christdemokratin. Angesichts von rund 300 000 Gymnasiasten im Land seien knapp 25 000 Unterschriften kein Stimmungsbarometer.

Der Druck auf Baden-Württemberg erhöht sich dadurch, dass andere Bundesländer derzeit umschwenken. Die uneinheitliche Rückkehr vieler Bundesländer zum G9 hat die Gymnasiallandschaft in Deutschland zu einem Flickenteppich gemacht. In Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Hessen und ab kommendem Herbst auch in Bayern ist das G9 Standard. Auch Nordrhein-Westfalen plant die Rückkehr zu G9. In anderen Bundesländern – etwa Bremen, Berlin und dem Saarland – führen die meisten Gymnasien in acht Jahren zum Abitur, während es gleichzeitig zahlreiche Gesamtschulen gibt, die neunjährige Gymnasialzüge haben.

Die meisten Bundesländer, die einen ähnlich strikten G8-Kurs verfolgen wie Baden-Württemberg, liegen im Osten des Landes: Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt waren in der DDR beim achtjährigen Gymnasium geblieben und werden das auch künftig beibehalten.

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