Baden-Württemberg Kultusministerin will Ethikunterricht ausweiten

Susanne Eisenmann (CDU)­ will den Ethikunterricht ausbauen.
Susanne Eisenmann (CDU)­ will den Ethikunterricht ausbauen. © Foto: Bernd Weissbrod/dpa
Stuttgart / Axel Habermehl 11.05.2018

Auch in den Klassen 5 bis 7 wird künftig das Fach Ethik als Alternative zum Religionsunterricht angeboten. Die baden-württembergische Landesregierung baut das Fach flächendeckend auf die Unterstufe der weiterführenden Schulen aus. Das geht aus einer Kabinettsvorlage aus dem Haus von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hervor, die der Ministerrat kommende Woche beschließen soll. Die Regierungsfraktionen Grüne und CDU haben bereits ihre Zustimmung erteilt. Das Konzept liegt dieser Zeitung vor.

Die Ausweitung soll in drei Schritten erfolgen: ab dem Schuljahr 2019/20 in Klasse 6 an Gymnasien und Klasse 7 an Haupt-, Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen sowie an sonderpädagogischen Einrichtungen. In den beiden folgenden Jahren werden die Klassen 6 und 5 einbezogen. Bisher findet Ethikunterricht an Gymnasien erst ab Klasse 7 und an den übrigen weiterführenden Schularten ab Klasse 8 statt.

„Der schrittweise Ausbau des Ethikunterrichts ist eine sinnvolle Antwort auf die Entwicklungen unserer Gesellschaft“, begründet Eisenmann ihren Plan. Es gebe einen seit Jahren wachsenden Anteil von Schülerinnen und Schülern, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen. „Die wachsende Zahl von Kindern und Jugendlichen ohne religiöse bzw. kirchliche Bindungen erfordert zusätzliche, vom konfessionsgebundenen Religionsunterricht unabhängige Zugänge der Wertevermittlung in der Schule.“ Bisher haben Schüler, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen, in diesen Stunden frei.

Die für den Ausbau nötigen Lehrpläne sollen demnächst zur Verfügung stehen. Das Kultusministerium plant für die Umsetzung des Vorhabens Fortbildungen für Lehrer. Es werden aber auch neue Lehrer gebraucht. Eisenmann rechnet mit 114 Deputaten zusätzlich pro Schuljahr.

Nicht eingerechnet ist, dass durch das Angebot auch Schüler, die aktuell Religionsunterricht belegen, zu Ethik wechseln. Auch eine mögliche, aber immer wieder verschobene Einführung von islamischem Religionsunterricht sunnitischer Prägung oder ein Ausbau des orthodoxe Religionsunterricht sind unberücksichtigt. Die Kosten sind deswegen nicht exakt vorherzusagen. Eisenmann rechnet ab 2023 mit Personal-Ausgaben von jährlich knapp 22 Millionen Euro.