Land am Rand Kultur oder Kinderklinik – das ist hier die Frage

Pforzheim / Hans Georg Frank 24.07.2018

Kulturhauptstadt Europas ist eine ehrenwerte Auszeichnung auch für Orte, die nicht so bekannt sind wie Liverpool, Rotterdam, Genua, Prag, Marseille. Die halbe Welt, mindestens aber ein Teil der EU-Bürger erfährt dann, dass es sehens- und erlebenswerte Siedlungen gibt, die bis dahin einem überschaubaren Personenkreis ein Begriff gewesen sind. Kosice, Leeuwarden, Plowdiw zum Beispiel.

Nun möchte Pforzheim als Kulturhauptstadt Europas ganz groß rauskommen, wenn 2025 Deutschland an der Reihe ist. Die „Goldstadt“, die „Pforte zum Schwarzwald“ als Pilgerziel für alle jene, die schon immer mal wissen, wollten, was Pforzheim außer Edelmetall und Bäumen bietet. Ein Konzept gibt es zwar. Aber weil die Stadtkasse leer ist, fehlt das Geld für diese Form der Selbstbeweihräucherung. Etwa zehn Millionen Euro müsste Pforzheim selber aufbringen. Der neue Sparkommissar Peter Boch, im Hauptberuf Oberbürgermeister, hat die Notbremse gezogen. Er will lieber Kindertagesstätten renovieren.

Doch die Rettung ist nah. Vier Unternehmer wollen genügend Geld sammeln, damit ihre Heimatstadt doch noch brillieren kann als Kulturhauptstadt. „Schwäbische Sparsamkeit und badischen Ideenreichtum“ will das Quartett mobilisieren.

Sollte es doch nichts werden mit den europäischen Träumen, wäre das Geld nicht verloren. Ganz in der Nähe, in Maulbronn, muss eine Kinderklinik dringend saniert werden. Ursprünglich waren vier Millionen Euro veranschlagt, jetzt sind es schon neun. Der Bürgermeister ist bereits auf der Suche nach Sponsoren.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel