Tübingen Küng eröffnet Weltethos-Institut

Hoher Besuch: Der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan und Hans Küng im Jahr 2003 vor der Neuen Aula der Universität Tübingen. Foto: Manfred Grohe
Hoher Besuch: Der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan und Hans Küng im Jahr 2003 vor der Neuen Aula der Universität Tübingen. Foto: Manfred Grohe
Tübingen / RAIMUND WEIBLE 18.04.2012
Die Uni Tübingen baut ihre Geisteswissenschaften aus. Nach dem Islam-Zentrum im Januar eröffnet heute das Weltethos-Institut von Hans Küng. Hier sollen künftige Entscheider moralisch handeln lernen.

Hans Küng, Tübingens bekanntester Theologe, arbeitet unverdrossen an der Reform der katholischen Kirche. Ebenso intensiv bemüht sich der 84-jährige Wissenschaftler um sein Projekt Weltethos. Jetzt hat er eine neue Etappe erreicht. 17 Jahre nach der Gründung der Stiftung Weltethos eröffnet er heute Abend beim Alten Botanischen Garten das dazugehörende Institut. Es soll den Dialog der Weltreligionen und moralisches Handeln in der Wirtschaft fördern.

Als Direktor hat der Institutsbeirat Professor Claus Dierksmeier nach Tübingen geholt, der zuvor an der Universität Boston globale Ethikwissenschaften gelehrt hat. Der 40-jährige Dierksmeier ist auch als Strategieberater in Politik und Wirtschaft tätig.

Der Direktor hält heute Abend die traditionelle Weltethos-Rede, für die Küng in früheren Jahren weltberühmte Leute wie den damaligen UN-Generalsekretär Kofi Anan, Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu und IOC-Präsident Jacques Rogge gewinnen konnte. Bereits kommende Woche ziehen die ersten Studenten in das Institut ein. In einem der Seminare beschäftigen sie sich damit, bei welchen Entscheidungen in der Wirtschaft es um Ethik geht.

Wie schon die Stiftung, ist auch das Institut durch eine Geldstiftung ermöglicht worden. Im Falle des Instituts brachte sich die Stiftung von Karl Schlecht ein. Schlecht ist der Gründer des Betonpumpenunternehmens Putzmeister in Aichtal (Kreis Esslingen). Das Institut verfügt über einen jährlichen Etat von einer Million Euro. Es ist von der Universität finanziell unabhängig, betreibt mit ihr zusammen aber Forschung und Lehre. Vorgesehen ist, eine weitere Professur mit dem Schwerpunkt "Interkulturelle Pädagogik" einzurichten. Dierksmeier nennt das Institut einen "intellektuellen Leuchtturm für eine humanistische Wirtschaft".

Bereits 2009 hat die Stiftung Weltethos zusammen mit Praktikern aus der Wirtschaft und mit Wirtschaftsethikern das Manifest "Globales Wirtschaftsethos" herausgebracht. Sie propagiert globale ethische Rahmenbedingungen für die Wirtschaft. Fairer, respektvoller Umgang miteinander gilt dabei als eine der Voraussetzungen für eine nachhaltige Ökonomie. Ethische Prinzipien und moralische Standards sollen im Geschäftsalltag mit Leben erfüllt werden.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel