Ein Porträt des Rudolf Hess hängt an der Wand neben einem NPD-Poster. Ein kahlgeschorener Jugendlicher hält eine Zigarette zwischen den Fingern. In der anderen Hand: ein Zettel, auf dem ein Hakenkreuz prangt, darunter steht "Ausländer raus!" Der SÜDWEST PRESSE liegen Fotos vor, die Achim Schmid in jungen Jahren zeigen. Der gebürtige Mosbacher (Neckar-Odenwald-Kreis) hat 2000 in Schwäbisch Hall den deutschen Ableger der "European White Knights of the Ku-Klux-Klan" gegründet. Fünf Haller trafen sich monatlich beim rassistischen Geheimbund. Laut Verfassungsschutz-Dokumenten, die dieser Zeitung vorliegen, gehörten dem Klan bundesweit 20 Mitglieder an - mindestens zwei sind heute in der NPD aktiv.

"Die Treffen waren meistens bei mir zu Hause, sie liefen parlamentarisch ab", sagt Schmid am Telefon. "Wir saßen am Tisch, dann folgten die Berichte: vom Kreisvorsitzenden, vom Kassenprüfer - wie bei einer Parteiversammlung eben", so der 37-Jährige, der heute in Schleswig-Holstein lebt und nach eigenen Angaben nicht mehr der rechten Szene angehört. Gelegentlich hätten sich die Klan-Anhänger weiße Kapuzen übergezogen und Kreuze verbrannt - "unter anderem auf der Limpurg und Geyersburg", so der ehemalige Anführer.

Von all dem erfuhr die Öffentlichkeit zehn Jahre lang nichts. Der Haller Klan-Ableger geriet erst im vergangenen Sommer in die Schlagzeilen. Im Zuge des Untersuchungsausschusses zur rechtsradikalen Terrorgruppe NSU tauchten Akten auf, wonach zwei Polizisten aus Böblingen Mitglied in der Haller Klan-Zelle waren. Einer der beiden war der Gruppenführer der Polizistin Michèle Kiesewetter, die 2007 von der NSU ermordet worden sein soll.

Schmid bestätigt, dass die zwei Polizisten aus Böblingen mitmischten - und dass er damals von einem Mitarbeiter des Landesverfassungsschutzes vor Abhörmaßnahmen gewarnt wurde. "Thorsten D. wollte Informationen, bot mir im Gegenzug Schutz für den Klan an." Welche Informationen der Schlapphut begehrte, will Schmid nicht sagen. Der Vorgang flog auf, der Beamte wurde versetzt. Schmid weiß, dass die Behörden bereits 2000 über den Klan informiert waren. "Die Haller Polizei hatte nach Hausdurchsuchungen alle Unterlagen - vom Gesetzbuch bis zum kleinsten Formular. Es ist schlicht dreist zu behaupten, man habe nichts gewusst."

Zu Schmids Kontakten gehörte Thomas R., der als V-Mann "Corelli" enttarnt wurde. Sein Name tauchte auf NSU-Dokumenten auf. Laut Recherchen unter anderem der "Süddeutschen Zeitung" war Schmid selbst V-Mann - was er vehement bestreitet. Mitte der 90er Jahre gelangte von ihm aber Videomaterial der Rechtsrockband "Kraftschlag" an den Geheimdienst - mehrere Mitglieder landeten darauf im Gefängnis. Obwohl arbeitslos, sei Schmid stets flüssig gewesen, habe Reisen finanziert - auch in die USA, wo er zum "Grand Dragon" des Klans geschlagen wurde. Kam das Geld vom Geheimdienst? Der Verfassungsschutz macht "keine Angaben zu operativen Angelegenheiten".

Es gibt weitere Vorwürfe gegen Schmid: Er habe als NPD-Kassenwart Gelder geplündert. Das Finanzielle sorgte auch im Klan für Konflikte. Ein Ex-Mitglied berichtet, dass Schmid für neue Computer Geld kassiert, aber nie geliefert habe. Dass auch die Klan-Kasse verschwand, bestreitet Schmid nicht - er sei aber nicht schuld gewesen. Ein Ex-Mitglied sagt: "Als die Leute im Klan realisierten, von was für einer Person sie geführt wurden, hat sich die Gruppe schnell aufgelöst."