Verkehr Kretschmann outet sich als Diesel-Fan

Stuttgart / Roland Muschel 15.03.2017

Nach heftiger Kritik der Autoindustrie an den geplanten Fahrverboten in Stuttgart für Dieselfahrzeuge, die die Euro-6-Norm nicht erfüllen, hat Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Dienstag eine Lanze für die Dieseltechnologie gebrochen. Er fahre privat selbst einen Euro-6-Diesel, „daran sehen Sie schon, dass ich vom Diesel viel halte“, sagte der Grünen-Politiker. Und, mit Verweis auf die neueste Dieselgeneration: „Das ist der beste Verbrennungsmotor.“

VW-Chef Matthias Müller kündigte in Wolfsburg an, VW sei im Gespräch mit Wettbewerbern, um Diesel-Autos mit der Abgasnorm Euro 5 so umzurüsten, damit diese mit einer blauen Plakette ausgestattet werden könnten. Dann wären sie von Fahrverboten nicht betroffen.

Das Land hat kürzlich beschlossen, dass an Feinstaub­alarmtagen nur noch Dieselfahrzeuge im Stuttgarter Talkessel fahren dürfen, die der Euro-6-Norm entsprechen. Das ist bisher aber nur rund ein Viertel der Diesel-Pkws. Bosch-Aufsichtsratschef Franz Fehrenbach nannte das Verbot in einem Schreiben an Kretschmann „wirtschaftspolitisch verheerend“.

Unter dem Zwang eines von der Stadt Stuttgart mit Klägern eingegangenen Vergleichs, wonach der Verkehr bei anhaltenden Grenzwertüberschreitungen ab 2018 um 20 Prozent reduziert werden muss, habe das Land diese Entscheidung treffen müssen, sagte Kretschmann. „Das muss ich allen sagen, die mich mit harter Kritik überzogen haben.“ Deutschland sei ein Rechtsstaat, da hätten Richter „das letzte Wort“. Der Transformationsprozess hin zum Elektro-Auto dürfe aber „nicht zu Verwerfungen“ führen. Vielmehr werde der Diesel als Übergangstechnologie dringend benötigt. Es gebe daher „keinen Grund für Diesel-Bashing, was diese neue Generation betrifft“. Allein bei Bosch hingen deutschlandweit 15.000 Arbeitsplätze am Diesel. Wenn das Vertrauen in diese Technologie schwinden sollte, so Kretschmann, wäre das wirtschaftspolitisch „ein Riesenproblem“.

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