Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) wirbt etwa eine Woche lang in Indien für baden-württembergisches Know-how. Mehrere Medienvertreter, darunter auch SÜDWEST PRESSE-Chefredakteur Ulrich Becker, begleiten ihn.

Es geht dem Ministerpräsidenten und seinen Fachleuten um nachhaltige Stadtentwicklung und innovative Technologien im Maschinen- und Autobau. Im Rahmen der Reise besuchte die Delegation den indischen Bundesstaat Maharashtra, wo viele deutsche Firmen produzieren. Einen Bericht dazu finden Sie unter: Eine Art Ländle auf Indisch.

Freitag: Kretschmann wirbt in Indien für Vertrauen und Zusammenarbeit
Am vorletzten Tag seiner Indienreise hat der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sich mit der wissenschaftlichen Kooperation beschäftigt. An der renommierten Ingenieurs-Universität IIT Bombay in Mumbai hielt er am Freitag eine Grundsatzrede zur Zukunft von Energie und Mobilität. Dabei wies er auf das enge Zusammenspiel von Wirtschaft und Umweltschutz hin: „Ich bin mir bewusst, wie wichtig Wirtschaftswachstum ist“, sagte er. „Aber es darf nicht auf Kosten der Natur gehen“. Er rief die Wissenschaftler und Studenten auf, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, zum Beispiel zur Elektromobilität.

Auch gegen geschlossene Grenzen sprach Kretschmann sich aus: „Wir erleben heute leider in Teilen der Welt eine Abschottung“, sagte er „Ich bin überzeugt, dass Protektionismus vielleicht ein lokales wirtschaftliches Strohfeuer auslösen kann, das Wachstum aber auf Dauer bremsen wird.“

Das IIT Bombay gehört zu den am höchsten angesehenen Universitäten in Indien. Im „QS University Ranking“ steht sie nur hinter dem Indian Institute of Science in Bangalore und dem IIT in Neu Delhi. Im weltweiten Vergleich steht das IIT Bombay auf Platz 219. Zum Vergleich: Die deutsche Universität mit der besten Bewertung ist die TU in München. Sie steht weltweit auf Platz 60. Insgesamt gibt es in Indien 23 ingenieurwissenschaftliche IIT-Institute.

Donnerstag: Gerlinde Kretschmann trifft in Indien Straßenkinder und besucht Slum
Am Rande der Delegationsreise mit ihrem Ehemann nach Indien hat Gerlinde Kretschmann Straßenkinder getroffen und den Slum Dharavi besucht. Dazu fuhr die Frau von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Donnerstagmorgen unter anderem ins Kinderhaus, das die katholische Ordensgemeinschaft Don Bosco in Mumbai betreibt. Straßenkinder von 5 bis 15 Jahren können dort tagsüber eine Unterkunft finden. Kretschmann besuchte außerdem das Provinzhauptquartier des Ordens, in dem zum Beispiel Frauen Hilfe dabei erhalten, staatliche Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Anschließend besichtigte sie Dharavi. Der Slum gilt als einer der größten und wirtschaftsstärksten in Asien. Trotzdem leben viele Menschen dort von nur wenigen Euro am Tag. Dharavi war unter anderemDrehort für den oscarprämierten Film „Slumdog Millionaire“.

Landesmutter in Aktion: Gerlinde Kretschmann besucht ein Don-Bosco-Heim in Mumbai. #swplive #kretschmann in Indien.

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Ministerpräsident Kretschmann und Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) berichteten am Donnerstag über den Fortschritt des Programms „Make in India Mittelstand“. Mit dem Programm versucht die indische Regierung, mittelständische deutsche und speziell baden-württembergische Unternehmen dazu zu bringen, in Indien zu produzieren. Aktuell sind demnach 59 deutsche Unternehmen Teil der Initiative.

Tuk-Tuk-Rallye - unterwegs mit MP Kretschmann in Mumbai. #swplive

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Mittwoch: Gerlinde Kretschmann besucht in Indien Hersteller für faire Mode
Am Rande der Delegationsreise des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) hat seine Frau Gerlinde einen Modehersteller mit sozialem Anspruch in Mumbai besucht. Bei „Glimpse Clothing“ arbeiten zurzeit 15 Frauen, die früher Zwangsprostituierte waren. Die Frauen bekommen dort eine Ausbildung und arbeiten als Schneiderinnen für das Projekt.

Drei Stuttgarter hatten „Glimpse Clothing“ im Jahr 2012 gegründet. Inzwischen hat das Unternehmen 16 Verkaufsstellen in Deutschland, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz und einen Online-Shop.

Gerlinde Kretschmann probierte einige Kleidungsstücke an, die dieFrauen geschneidert haben. Auch deutsche Freiwillige geben den Frauen bei „Glimpse Clothing“ zum Beispiel Englischunterricht.

Winfried Kretschmann traf am Mittwoch indes den Ministerpräsidenten des indischen Bundesstaats Maharashtra, Devendra Fadnavis. Beide betonten die enge Verbundenheit zwischen Baden-Württemberg und Maharashtra. „Beide Bundesstaaten sind wirtschaftlicher Motor für ihre Länder“, sagte Kretschmann. Fadnavis bezeichnete die Industriestadt Pune als „zweite Heimat“ für deutsche Firmen.

Dienstag: Eröffnung einer neuen Produktionshalle des Unternehmens Schmalz India
Am Nachmittag weihte der Ministerpräsident eine neue Produktionshalleder Firma Schmalz ein, wo zum Beispiel Sauggreifer für den industriellen Einsatz hergestellt werden. Schmalz ist ein Mittelständler aus Glatten im Kreis Freudenstadt, Indien ist einer von 16 internationalen Standorten. Kretschmann: „Es freut mich besonders, ein so erfolgreiches Unternehmen auch in Indien zu sehen.“

Das Land, in dem Busfahren noch ein Abenteuer ist...#swplive #kretschmann in Indien.

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Am Rande der Delegationsreise unterzeichnete zudem die Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft eine Vereinbarung mit der indischen Baufirma Firma Royal Orange County. In einem Projekt mit Namen Gathagram soll eine klimaneutrale Kleinstadt für 30.000 Einwohner entstehen. Die Planung übernimmt die indische Niederlassung der Architekturfirma Planquadrat aus Darmstadt.

So wird in Indien für den baden-württembergischen Ministerpräsidenten ins Horn gestoßen. #kretschmann in Indien #swplive

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Baden-Württemberg bekommt Repräsentantin im indischen Maharashtra
Am zweiten Tag seiner Indienreise hat der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) eine ständige Repräsentantin des Bundeslands im indischen Bundesstaat Maharashtra ernannt. Iris Becker, Gründerin einerBeratung für europäische Firmen beim Markteintritt in Indien, wird das Kooperationsbüro in der Stadt Pune aufbauen und leiten.

Montag: Besuch bei Bosch
Zum Auftakt seiner einwöchigen Indienreise hat der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) das Werk von Bosch im indischen Pune besucht. In der Niederlassung überreichten die Verantwortlichen ihm zur Begrüßung die traditionelle Kopfbedeckung „Pagarhi“.

Bosch macht bereits seit 1922 Geschäfte mit Indien. 1953 baute das Unternehmen das erste Werk auf dem Subkontinent. Heute macht das Unternehmen dort mehr als zwei Milliarden Euro Umsatz im Jahr. Die Fabrik in Pune gibt es seit zehn Jahren. Dort stellt das Unternehmen zum Beispiel Servolenkungen her. Außerdem geht es dort um Autos, die mitdenken - zum Beispiel durch intelligente Bremssysteme, Sensoren und computergesteuerte Fahrassistenten.

„Die lange Reise nach Indien ist ein Signal“, sagte Kretschmann. Zu den Hauptthemen, zu denen der Politiker in Indien werben will, gehören die nachhaltige Stadtentwicklung und innovative Technologien für den Maschinenbau und die Automobilproduktion – und um die Ausbildung, die dafür nötig ist. Kurz: Städteplanung, Technologie, Autos und Know-how aus dem Süden Deutschlands.

Kretschmann betonte die lange Partnerschaft zwischen Baden-Württemberg und dem indischen Bundesstaat Maharashtra, wo Pune liegt. Im Laufe seiner ersten Indienreise als Ministerpräsident wird er noch das Wirtschaftszentrum Mumbai und die IT-Metropole Bangalore besuchen.

Mit Maharashtra hat Baden-Württemberg bereits vor zwei Jahren eine engere Partnerschaft begründet. „Beide haben eine ähnliche Wirtschaftskraft und -struktur“, sagte der Hauptgeschäftsführer der deutsch-indischen Handelskammer, Bernhard Steinrücke.

Auch im Bereich Wissenschaft und Ausbildung soll die Kooperation verstärkt werden. Kretschmann wird am Freitag das „Indian Institute of Technology Bombay“ besuchen. Zuvor feiert er den Gründungstag der deutsch-indischen Handelskammer, die in Mumbai seit 25 Jahren das Ausbildungszentrum „Indo-German Training Centre“ betreibt.