Land am Rand Krabbler der Apokalypse: Jede Woche eine Insektenplage

Achtung, giftig: Die Härchen der Raupen des Eichenprozessionsspinners sind berüchtigt. Nicht die einzige Plage, die uns in Atem hält.
Achtung, giftig: Die Härchen der Raupen des Eichenprozessionsspinners sind berüchtigt. Nicht die einzige Plage, die uns in Atem hält. © Foto: Bernd Settnik/dpa
Ulm / Roland Müller 05.06.2018

Die Windschutzscheibe  von Winfried Kretschmanns Dienstwagen macht ja seit einiger Zeit als inoffizielles Messgerät fürs Insektensterben Karriere – weil der Ministerpräsident nicht müde wird, zu berichten, welch kümmerliche Ausbeute da auf Überlandfahrten heutzutage nur noch kleben bleibt. Da es weder an extraglatter Nano-Beschichtung noch an besonders potenten Scheibenwischern zu liegen scheint, glauben wir mal vom Fleck weg die These, dass es nicht mehr so summt und schwärmt wie einst im Land.

Die wenigen Krabbler, die übrig sind, so hat man den Eindruck, machen dafür aber umso mehr Radau. Kaum eine Woche, in der nicht eine vielbeinige Invasion droht, Landwirten und Gärtnern die Haare vom Kopf zu fressen oder ähnliches Unheil zu verbreiten. An manche der apokalyptischen Krabbler (Borkenkäfer, Tigermücke, Kirsch­essigfliege) hat man sich über die Jahre gewöhnt. Weil sich das Publikum aber immer neu gruseln mag, kommen schneller neue Plagen hinzu als einst im biblischen Ägypten: Buchsbaumzünsler (frisst sich durch Hecken), Eichenprozessionsspinner (giftige Härchen!), Miniermotte (saugt das Leben aus Kastanien), Schwammspinner (mampft Eichen kahl)…

Um das Missverhältnis zwischen Frontscheibe und Schlagzeilen zu ergründen, läuft beim Naturschutzbund im Juni die Mitmach-Aktion „Insektensommer“. Jedermann soll Insekten zählen und melden. Autofahrer sind aber von der Leichenschau befreit – die Identifikation ist schon am lebenden Objekt schwierig genug.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel