Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hat von der Bahn eine "aktuelle und nachvollziehbare Kostenrechnung" für das Milliardenprojekt Stuttgart 21 eingefordert.Bahn-Technikvorstand Volker Kefer habe jetzt "erstmals eingeräumt, dass der Kostendeckel von 4,526 Milliarden Euro wohl durchbrochen wird", sagte Hermann.

Lange Zeit habe die Bahn bei den Kosten an der Summe von 4,33 Milliarden Euro festgehalten und auf einen Risikopuffer von etwa 200 Millionen Euro verwiesen. Neben der Kostenrechnung müsse die Bahn den Partnern auch eine aktualisierte Bauablaufplanung vorlegen.

Kefer hatte den "Stuttgarter Nachrichten" gesagt, dass die Kostenobergrenze bald erreicht ist und über die Kosten wohl nachverhandelt werden müsse. 2009 hatten sich die Projektpartner mit der Bahn auf eine Kostenobergrenze von 4,526 Milliarden Euro verständigt.

Die Partner des Projekts sind die Bahn AG, der Bund, das Land Baden-Württemberg, die Stadt Stuttgart, der Flughafen Stuttgart und der Verband "Region Stuttgart".

Kefer sagte, dass die Bahn für die Mehrkosten aus der Schlichtung von 2010 und dem Filderdialog einen Zusatzvertrag anstrebe. Grün-Rot hatte die Übernahme zusätzlicher Kosten stets abgelehnt. Die schwarz-gelbe Landesregierung hatte 2009 in einem Vertrag zugesichert, maximal 931 Millionen Euro für Stuttgart 21 zu zahlen.

Mit Blick auf mehrere Entgleisungen vor dem Kopfbahnhof und Problemen mit losen Glasscheiben im Bahnhofsdach sagte Hermann weiter: "Die durch den Umbau des Bahnhofs im laufenden Betrieb auftretenden Probleme und Gefahren sehen wir mit Sorge." Es sei klar, dass es bei einem komplexen Großprojekt immer zu Problemen kommen könne. "Die Sicherheit für die Fahrgäste und Besucher des Bahnhofs muss aber gewährleistet sein." Inzwischen sei offenkundig, dass die Entgleisungen mit dem Umbau des Gleisvorfeldes zusammenhängen.

Hermann bezweifelt, dass die ersten Züge wie von der Bahn zuletzt versprochen 2020 in den neuen Tiefbahnhof einrollen. "Angesichts der großen Verzögerungen infolge von Planungsmängeln in den ersten zweieinhalb Jahren ist allen Experten klar: Dieser Termin wird schwer zu halten sein." Vor der nächsten Sitzung des Lenkungskreises zu S 21 am kommenden Montag kritisierte Hermann das Ansinnen der Bahn, Abschnitte des Projektes auseinanderzureißen. Aus Sicht des Landes sei es kritisch zu bewerten, die Planfeststellungsabschnitte auf den Fildern in zwei Teile zu zerlegen. Ein solches Vorgehen könnte die Kosten weiter in die Höhe treiben.