Mannheim / DPA

Konflikte um den Hochwasserschutz sind nicht selten. Oft geht es um Erhalt von Bäumen wie im Fall der geplanten Sanierung des Mannheimer Rheindamms. Umweltschützer wollen verhindern, dass Tausende Bäume auf und um den dreieinhalb Kilometer langen Dammabschnitt gerodet werden. Die Planungsbehörde, das Regierungspräsidium Karlsruhe, sieht keine Möglichkeit die Bäume in dem beliebten Naherholungsgebiet zu retten. Der Streit lässt sich auf die Grundsatzfrage reduzieren: Stabilisieren Bäume das Erdbauwerk oder gerade nicht?

Auch die von jeder Seite beauftragten Gutachten bringen keine eindeutigen Antworten auf diese Frage. Zuletzt präsentierte die Bürger-Interessen-Gemeinschaft (BIG) Lindenhof das Gutachten des Experten für Baumstatik, Lothar Wessolly. Demzufolge sei nicht nachzuweisen, dass Gehölz die Standfestigkeit von Dämmen beeinträchtige. Vielmehr schütze des feine Wurzelwerk der Bäume sie vor Erosion. Auch Orkane könnten die Bäume auf dem Damm überstehen, zumal sie sich gegenseitig schützten, meinte der vereidigte Sachverständige. Ein weiterer Gutachter, Christian Schmidt, unterstützt die Forderung der BIG nach in die Dammkrone eingelassenen Spundwänden aus Stahl oder Dichtwänden aus Mörtel und Zement. Dies sei eine baumschonende Alternativen zur Rodung.

Das Regierungspräsidium verweist hingegen auf die Gutachten des Karlsruher Institut für Technologie. Der Erhalt von Bäumen ist demnach nur an sehr wenigen Stellen möglich - allerdings zu hohen Kosten und mit dem Risiko, Präzedenzfälle zu schaffen. Die Behörde begründet das 12,5 Millionen Euro teure Vorhaben mit dem erforderlichen Schutz vor Hochwasser. Bei einem Dammbruch sei damit zu rechnen, dass Teile der Stadt innerhalb weniger Stunden bis zu vier Meter hoch überschwemmt würden. Überdies könnten bei Hochwasser Material und Einsatzkräfte nicht an eventuelle Schadstellen gebracht werden. Deshalb müssten die Bäume weichen, die das Bauwerk instabiler machten.

Die Stadt Mannheim als Genehmigungsbehörde hat sich jetzt auch mit einem Brief an das Regierungspräsidium in den Streit eingeschaltet. In dem Schreiben wirft Umweltbürgermeisterin Felicitas Kubala ebenfalls die Frage nach der stabilisierenden oder destabilisierenden Wirkung der Bäume an Dämmen auf. Aus dem bislang unbeantworteten Brief schöpft die Bürgerinitiative BIG Hoffnung für den Erhalt der Bäume. „Wir freuen uns über diese Entwicklung bei der Stadt Mannheim, die wir durch die Mobilisierung der Öffentlichkeit erreicht haben“, sagt Wolf-Rainer Lowack, Vorstand der BIG. Rund 30 000 Bürger hatten unter dem Motto „Erhalten Sie den Baumbestand auf dem Mannheimer Rheinhochwasserdamm“ eine Petition für ein neutrales Gutachten durch die Stadt Mannheim unterschrieben.

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