Es bleibt dabei: Die Landesregierung ist bei allem, was zum Bahnprojekt Stuttgart 21 gehört, gespalten. Der Filderdialog ist ein Beispiel dafür, wie der grüne Verkehrsminister längst gefallene, vom roten Koalitionspartner akzeptierte Entscheidungen hintertreibt.

Naivität, Unkenntnis und Dilettantismus wirft die schwarz-gelbe Opposition der grünen Staatsrätin Gisela Erler vor - und die quer in die Politik eingestiegene Fachfrau für Bürgerbeteiligung hat sich bei ihrem Gesellenstück wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert. Sich jetzt mit Zeitdruck herauszureden ist eine Spur zu einfach: Ein Prozess, der Jahre zu spät kommt und dennoch den Eindruck vermittelt, an grundsätzlichen Entscheidungen drehen zu können, verdient den Namen Bürgerbeteiligung nicht. S-21-Gegner wie Befürworter haben dies erkannt und sind reihenweise von der Fahne gesprungen.

Schlimmer aber wirkt das Agieren des Verkehrsministers Winfried Hermann (Grüne). Mit einem Geheimgutachten für Trassenvarianten, die längst ad acta gelegt sind, hat er alle Kritiker bestätigt, die ihm nicht abnehmen, dass er Stuttgart 21 nicht hintertreiben, sondern "kritisch begleiten" wolle.

Ob nun allerdings die Devise richtig ist, "die Bahn schaffen lassen", wie es mit SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel die andere Hälfte der Landesregierung fordert, sei dahingestellt. Die Flughafenanbindung in der von der Bahn ursprünglich geplanten Variante ist bestenfalls halbgar, da muss man dem Konzern auf die Finger sehen und bessere Lösungen finden, selbst wenn sie den Kostenrahmen sprengen. Einen Bürgerdialog braucht es dazu nicht, sondern nur die Planfeststellung und die kritische Begleitung fachkundiger Ministerialbeamter.

Fazit: Der Filderdialog ist mitnichten ein echter Erfolg, wie Erler beschwört, sondern eine echte Pleite. Doch auch wenn das Verfahren nun diskreditiert scheint, kann man daraus lernen: Früher, kompetenter begleitet und mit weniger ideologischem Hype, dann wird vielleicht was draus.