Meinung Kommentar zum Prozess um den Dreifachmord in Villingendorf

Der 41-Jährige bei seiner Verurteilung.
Der 41-Jährige bei seiner Verurteilung. © Foto: Sebastian Gollnow
Villingendorf / Petra Walheim 26.06.2018

Lebenslange Haft ohne Aussicht, nach 15 Jahren entlassen zu werden. Das ist die Strafe für Drazen D., der kaltblütig, brutal und ohne einen Hauch von Mitgefühl im September vergangenen Jahres in Villingendorf seinen sechsjährigen Sohn an dessen Einschulungstag, den neuen Verlobten seiner Ex und dessen Cousine erschossen hat. Aus Eifersucht, Kränkung, verletztem Ehrgefühl und aus Rache dafür, dass ihn seine Frau verlassen und sich einem anderen Mann zugewandt hat. Das hat sie getan, weil er sie wiederholt geschlagen, misshandelt und auch nach der Trennung nicht von ihr abgelassen, sie weiter bedroht und gequält hat.

Wie kann ein derart gewalttätiger und unberechenbarer Mann unter Kontrolle gebracht werden? Die Frau versuchte es mit einem vom Gericht verhängten Annäherungsverbot. Das allerdings bot ihr nur einen scheinbaren Schutz. Der Mann bedrohte sie auch weiterhin. Da stellt sich doch die Frage, was so ein Annäherungsverbot bringen soll, wenn es von einem Gewaltbereiten ignoriert und von der Polizei nicht kontrolliert werden kann? Es seien viel zu viele, heißt es aus Polizeikreisen. Nur wenn die Bedrängten in akuten Fällen die Polizei um Hilfe bitten würden, werde eine Streife vorbeigeschickt. Die Frau aus Villingendorf hatte der Polizei gegenüber mehrfach geklagt, ihr Ex halte sich nicht an das Annäherungsverbot. Geschehen ist nichts. Bis drei Menschen tot waren.

Wieder einmal drängt sich die platte Frage auf: Muss immer erst Schreckliches geschehen, bevor reagiert wird?

Ein Vertreter der Nebenklage meinte, die Polizei hätte mehr tun müssen, um das Verbot durchzusetzen. Aber wie realistisch ist das, angesichts der vielen Annäherungsverbote, die von den Gerichten offenbar inflationär verhängt werden?

Der Rechtsstaat verbietet, dass gewalttätige Menschen oder auch Stalker, präventiv weggesperrt oder mit Fußfesseln zur ständigen Ortung bestückt werden. Eine intensivere Möglichkeit der Einflussnahme als das Schreiben des Gerichts an den Gewalttäter, könnte die Gefährder-Ansprache sein. Dabei bekommt der „Gefährder“ Besuch von der Polizei, die ihn ausdrücklich darauf hinweist, sich an das Verbot der Annäherung zu halten und ihm auch die Folgen aufzeigt, wenn er das nicht tut. Aber kann das Gewalttäter aufhalten, die fest entschlossen sind, zu töten? Die Antwort: Nein.

Trotzdem haben Annäherungsverbot und Gefährder-Ansprache ihren Sinn, weil damit Straftaten durchaus verhindert werden können. Leider nicht alle. Extremfälle wird es immer geben.

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