Tübingen / RAIMUND WEIBLE  Uhr
Mit einem Rotwildtag erinnert der Naturpark Schönbuch an das Dianenfest vor 200 Jahren. Damals lud König Friedrich I. zum Massenabschlachten von Wildtieren. Mehr als 300 Hirsche wurden geschossen.

Jagen war bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts ein Vorrecht der Fürsten, und die trieben es mit ihrer Leidenschaft auf die Spitze. Höhepunkt im damaligen Land Württemberg war das Dianenfest am 12. November 1812 in Bebenhausen mitten im Schönbuch, dem Waldgebiet zwischen Fildern, Herrenberg und Tübingen. Der dicke Friedrich I. ließ an diesem Tag, gerade 58 geworden, buchstäblich die Sau raus.

An dieses Dianenfest, nach heutigem Urteil ein grässliches Gemetzel, erinnert der Naturpark am morgigen Mittwoch. Eine Ausstellung beschreibt die Jagdgeschichte des Schönbuchs, und das Landratsamt informiert über die aktuelle Situation des Rotwilds. Im Schönbuch hat der Hirsch, das Wappentier des Landes, immer noch eine Heimat. Etwa 150 Tiere leben innerhalb des Gatters.

Mehr als die doppelte Zahl an Hirschen ließen beim Dianenfest ihr Leben. Auf den Auen des Goldersbachtals hatte Hofbaumeister Friedrich von Thouret einen Festplatz mit einem Rundtempel zu Ehren der Jagdgöttin installiert, auf den das Wild getrieben wurde. Direkt vor die Flinten der hochherrschaftlichen Jäger, die bequem sitzend den Tieren die "beneidens- und wünschenswürdigste der Todesarten" bereitete, wie der eigens engagierte Hofdichter Friedrich von Mathison das Massaker besang. Das war derselbe Poet, der den Text für Beethovens Lied "Adelaide" lieferte. Außer kapitalen Geweihträgern, Hirschkühen und -kälbern ließen 211 Rehe, 40 Keiler, 45 Bachen und 92 Frischlinge, acht Hasen und vier Füchse ihr Leben. Zur Bilanz zählen auch mehrere verletzte Treiber und ein Förster, der an den Folgen seiner Verletzungen starb.

Mathison durfte sich davon nicht abhalten lassen, das Ereignis zu verklären. "Bis in die Wolken schwinge sich/ ein jubelnd: Vivat Friederich!" dichtete der Frühromantiker in seiner Auftragsarbeit. In der allerdings die Kosten für diese letzte und größte Massenjagd Württembergs fehlten. Eine Million Gulden ließ sich der dicke Friedrich das Dianenfest kosten.