Justiz Knast-Skandal: Heilbronner JVA-Direktor muss gehen

Seit März ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen JVA-Mitarbeiter, die Häftlinge gegen Bezahlung mit Drogen, Medikamente und Handys in großem Stil versorgt haben sollen.
Seit März ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen JVA-Mitarbeiter, die Häftlinge gegen Bezahlung mit Drogen, Medikamente und Handys in großem Stil versorgt haben sollen. © Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
Heilbronn / Hans Georg Frank 19.10.2018

Der Skandal um Korruption, Schmuggel und Volksverhetzung an der Justizvollzugsanstalt Heilbronn hat jetzt personelle Konsequenzen. Das Justizministerium hat den Leiter, Hans-Hartwig Dickemann (62), an das Vollzugskrankenhaus auf dem Hohenasperg versetzt. Dieser Entscheidung seien „ausführliche Gespräche in den vergangenen Tagen mit sämtlichen Beteiligten“ vorausgegangen, ließ Ressortchef Guido Wolf (CDU) gestern mitteilen.

Der aus Bretten stammende Dickemann hat die Leitung der Heilbronner Anstalt 2010 übernommen, zuvor war er in gleicher Funktion in Schwäbisch Hall tätig. Bis zur endgültigen Besetzung seiner frei gewordenen Stelle wird der Chef der Haller JVA, Mathias Rössle (40), die Aufgabe in Heilbronn zusätzlich übernehmen. Er soll mit rund 200 Mitarbeitern „einen Neuanfang einleiten“, heißt es in der Mitteilung. Auf dem Hohenasperg kennt sich Dickemann bestens aus, war doch dort schon von 1998 bis 2008 für den Vollzug verantwortlich. Er werde diese Funktion „erneut kompetent ausüben“, ließ das Ministerium wissen.

Skandalöse Vorwürfe

Die Ablösung an der Heilbronner Steinstraße ist eine Reaktion auf skandalöse Vorwürfe. Seit März ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen JVA-Mitarbeiter, die Häftlinge gegen Bezahlung mit Drogen, Medikamente und Handys in großem Stil versorgt haben sollen. Zuletzt wurden auch Beschuldigungen wegen Volksverhetzung und Verwendung von Nazi-Symbolen erhoben. Auf Whatsapp-Nachrichten fanden sich Hakenkreuze, Hitlerbilder sowie Formulierungen mit fremdenfeindlichem und antisemitischem Inhalt, gab die Staatsanwaltschaft bekannt.

Zehn Tatverdächtige sind vom Dienst suspendiert, einer sitzt in Untersuchungshaft. Bei den Ermittlungen wird geprüft, ob die Anstaltsleitung Hinweise auf illegale Machenschaften von Bediensteten ignoriert oder falsch eingeschätzt hat. Wegen der Verfehlungen hatte das Ministerium stichprobenartige Taschenkontrollen angeordnet – ein Novum in einer Haftanstalt Baden-Württembergs.

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