Funklöcher für Handys mitten in der High-Tech-Region Stuttgart? Die gibt es. Aber nicht alle sind der topographischen Lage der Landeshauptstadt geschuldet. Manches Funkloch hat auch mit der Kirche zu tun, die ihre Gebäude nicht länger als Funkmasten zur Verfügung stellen will. "Viele Bürger halten die Strahlungen für gefährlich. Diese Ängste nehmen wir ernst, ob sie nun begründet sind oder nicht", sagt Hermann Beck, Verwaltungs- und Finanzchef der Evangelischen Kirche Stuttgart.

Die Gesamtkirchengemeinde will die Zusammenarbeit mit Mobilfunkanbietern nicht fortsetzen. Und das, obwohl sie dadurch rund 10 000 Euro pro Jahr einnimmt. Für Funklöcher sei die Kirche nicht verantwortlich. "Wir sind nicht Schuld daran, dass an manchen Stellen ein Funkloch entstanden ist", sagt Beck. Das sei vielmehr ein Problem der Mobilfunkunternehmen.

Ein Problem ist es aber auch für den Stuttgarter Unternehmer Frank Linden. Er ist Kunde der Telekom und klagt über schlechten Mobilfunkempfang in Stuttgart-Schönberg. Seit die Kirche vor einem halben Jahr den Sendemasten von der Franziskakirche nahm, landeten seine Anrufer immer häufiger auf dem Band - im Moment nicht erreichbar. Linden ärgert das, weil sein Anbieter ihn nicht über mögliche Probleme informiert habe. Aus seiner Sicht gehört ein funktionierendes Mobilfunknetz zur Grundversorgung, zumal es in Deutschland nach Angaben der Bundesnetzagentur inzwischen mit 114 Millionen Handys mehr Mobilfunkgeräte als Einwohner gibt.

"Das Problem ist Stuttgarts topographische Lage", sagt Markus Jodl von der Telekom. Das Ersetzen wegfallender Sendemasten sei nicht einfach. "Wir stellen die Masten ja nicht aus Jux und Tollerei an einen bestimmten Ort."

Insgesamt gibt es in Baden-Württemberg laut Bundesnetzagentur 8542 Funkanlagenstandorte, wie sie offiziell heißen. In Stuttgart sind es nach Angaben der Stadt rund 600. Sieben davon stehen Beck zufolge noch auf kirchlichen Gebäuden. Der letzte Vertrag läuft 2020 aus.

Schätzungen der badischen und der württembergischen evangelischen Landeskirche zufolge ist im Südwesten nur ein sehr geringer Anteil der Kirchengemeinden vertraglich an Mobilfunkunternehmen gebunden. "Unseren Beobachtungen nach kommt es kaum noch zu Neuabschlüssen", sagen die Landeskirchen-Sprecher übereinstimmend. Die Gemeinden würden grundsätzlich eigenständig zwischen dem Anspruch der Menschen auf eine gute Mobilfunkinfrastruktur und der möglichen Belastung mit elektromagnetischen Wellen abwägen.

Für Stuttgart-Schönberg stehe man bereits in Verhandlungen mit einem anderen Standortanbieter, sagt Jodl. Wann der Vertrag abgeschlossen wird und das Funkloch geschlossen werden kann, ist unklar.

Die betroffenen Bürger können nur abwarten. Ein Sonderkündigungsrecht gebe es nicht, da ein Mobilfunkvertrag normalerweise nicht für einen bestimmten Ort abgeschlossen wird.

Linden hat inzwischen eine individuelle Lösung für das Funkloch gefunden. Er hat seine Mobilanschlüsse auf einen anderen Anbieter umgeleitet. Durch eine Beschwerde beim Vorstand der Telekom hat er erreicht, dass das Unternehmen die Kosten dafür übernimmt.