Stuttgart Keine Kurse mehr für Reiche

LSW 25.05.2012
Sozialministerin Altpeter will Elternkurse streichen und die Hilfen auf ärmere Familien konzentrieren. Die Kurse hätten vor allem Wohlhabende genutzt.

Das Programm "Stärke" für frischgebackene Eltern soll gestrafft werden. Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) plant nach eigenen Angaben, dass künftig keine Bildungsgutscheine für Elternkurse mehr ausgegeben werden. Kritik kam von CDU und FDP.

Die Mittel für die Gutscheine mit einem Zuschuss von je 40 Euro für den Besuch von Kursen summieren sich auf 1,1 Millionen Euro im Jahr. Grund für das Auflaufen der Hilfe nach 2013 ist, dass die Gelder vor allem von wohlhabenden Familien ohne spezielle Probleme beansprucht würden. Problemfamilien seien kaum erreicht worden. Dagegen bleibt der mit derzeit 3,3 Millionen Euro dotierte Programmteil erhalten, der gezielt Eltern in besonderen Lagen, etwa Alleinerziehenden oder Drogenabhängigen, helfen soll. Die Grünen im Landtag unterstützen die Überlegungen Altpeters. "Aber individuelle gezielte Hilfen für Familien in besonderen Lebenslagen müssen erhalten bleiben", sagte die Grünen-Politikerin Brigitte Lösch in Stuttgart.

Als Beispiele für niedrigschwellige aufsuchende Unterstützung nannte sie Familienhebammen und -begleiter, die Eltern mit Problemen bei der Betreuung ihrer Babys auch an Berater weiterleiten könnten.

Auch der SPD-Sozialexperte Rainer Hinderer hält eine Fortsetzung des Gutscheinsystems für nicht notwendig. Es gelte, sich auf Familien in Not zu konzentrieren, ansonsten seien Mitnahmeeffekte nicht zu verhindern.

Die CDU-Landtagsabgeordnete Elke Brunnemer warnte dagegen in den "Stuttgarter Nachrichten" vor einer Abschaffung der Gutscheine. "Es wäre zu kurz gegriffen, wenn man sich allein auf Familien in schwierigen finanziellen Verhältnissen beschränken würde." Eltern könnten auch unabhängig von ihrer materiellen Lage mit der Erziehung überfordert sein. Der liberale Sozialexperte Jochen Haußmann sprach von einem "Alarmzeichen": "Wer umfassenden Kinderschutz ernst nimmt, darf Investitionen in Bildung und in die Stärkung von Elternkompetenz nicht streichen." Es dürfe nicht nur auf aufsuchende Hilfe gesetzt werden. Die greife erst, wenn Probleme schon bestehen. Bildungsgutscheine wirkten auch vorbeugend.