Münsingen Kein Platz für Hirsche auf der Schwäbischen Alb

Schätzungsweise 4500 Rothirsche gibt es in den fünf Rotwildgebieten im Schwarzwald, im Allgäu, im Odenwald und - im Gatter - im Schönbuch. Außerhalb dieser Gebiete müssen die Tiere geschossen werden. Foto: dpa
Schätzungsweise 4500 Rothirsche gibt es in den fünf Rotwildgebieten im Schwarzwald, im Allgäu, im Odenwald und - im Gatter - im Schönbuch. Außerhalb dieser Gebiete müssen die Tiere geschossen werden. Foto: dpa
Münsingen / RAIMUND WEIBLE 28.03.2012
Hirsche auf der Alb - das verlangt der FDP-Abgeordnete Andreas Glück. Minister Alexander Bonde pocht auf das seit 1958 geltende Abschussgebot.

Der Hirsch, der 2008 durch das Revier Hayingen im Kreis Reutlingen streifte, lebt nicht mehr. Ein Jäger nahm ihn aufs Korn und schoss ihn ab. Fünf Artgenossen, die sich 2009 bei Zwiefalten, Maselheim und Oberstadion aufhielten, erging es ebenso. Die Jäger verhielten sich pflichtgemäß. Rotwild, das sich außerhalb der fünf Rotwildgebiete aufhält, ist im Land abzuschießen. Eine Verordnung des Landwirtschaftsministeriums von 1958 schreibt das vor. Andreas Glück (FDP) fordert eine Aussetzung des Abschussgebots im Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Dazu erhielt er von Agrarinister Alexander Bonde (Grüne) eine Absage. Bonde begründet sie mit den Spuren, die der Hirsch in der Vegetation hinterlässt. Außerdem gehe vom Rotwild eine Gefahr aus. Die größte heimische Säugerart könne schwere Verkehrsunfälle verursachen. Hirsche schälen die Rinde von Bäumen und fressen sie. Über die Wunden können Fäulnispilze in den Stamm eindringen. Dadurch wird das Holz zerstört. Die Forstkammer, die Vereinigung der Waldbesitzer im Land, wendet sich aus Furcht vor Schälschäden gegen die Ausbreitung des Rotwilds im Südwesten.

Rothirsch-Vorkommen in Baden-Württemberg sind bisher auf kleine Populationsinseln beschränkt. Auf nur vier Prozent der Landesfläche gesteht das Ministerium dem Hirsch ein Existenzrecht zu.

Glück steht mit seiner Forderung, das baden-württembergische Wappentier im Biosphärengebiet zu tolerieren, nicht alleine. Der Landesjagdverband (LJV) geht sogar noch weiter. Er hält die Rotwildverordnung von 1958 insgesamt für nicht mehr zeitgemäß. Rotwildgebiete geografisch genau abzugrenzen, sei rechtlich fragwürdig und wildbiologisch falsch, stellte eine Arbeitsgruppe des Verbandes fest. Als Alternative schlägt sie Verbreitungsschwerpunkte vor, die dem Rotwild aber auch ermöglichen, neue Lebensräume zu besiedeln.

Beim Biosphärengebiet sind drei Prozent der Fläche von der Bewirtschaftung ausgenommen. "Der Hirsch gehört hierher zu uns", sagt der Jäger Frank Simon, der im Biosphärengebiet als Bildungspartner für Wild, Wald und Jagd tätig ist. Vor 150 Jahren wurde der Hirsch auf der Schwäbischen Alb, aber auch in anderen Gebieten des heutigen Baden-Württembergs ausgerottet. Simon meint, dass das Biosphärengebiet die Chance bietet, das natürliche Beieinander von Mensch und Tier wieder herzustellen.

Ein Türchen hat Bonde offen gelassen. Zunächst müssten in den bestehenden Rotwildgebieten die Probleme mit dem Rotwild-Management gelöst werden. Erst dann sei an eine Wiederansiedlung oder eine Duldung zugewanderter Tiere zu denken. Ob das Biosphärengebiet für Rotwild geeignet ist, möchte das Ministerium innerhalb des Rahmenkonzepts für das gesamte Gebiet prüfen lassen.

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