Ulm / Alfred Wiedemann

Hier  „Digitaloffensive“, drüben „Masterplan digital“: Die Regierungen von Baden-Württemberg und Bayern kündigen praktisch täglich neue Milliardenausgaben zur digitalen Aufrüstung an. Das klingt gut,  in der Theorie. Den praktischen Teil scheinen unsere weiß-blauen Nachbarn aber besser zu beherrschen als wir Württemberger. Das Finanzamt in einer nicht näher benannten Grenzstadt  mit drei Buchstaben hat es anscheinend nicht so mit „Digital ist besser“. Eine erschreckend einfache Steuererklärung, ganz ohne Schwarzgeld,  Steuersparmodell oder Fahrtenkilometer, online abgegeben, liegt dort schon bald drei Monate herum.

Nun ist der Fall insofern schon leicht verzwickt, weil der Steuerpflichtige jahrelang in Bayern gewohnt hat und erst kürzlich über die Iller nach Württemberg gezogen ist. Keine fünf Kilometer Luftlinie, aber eben mit Grenze dazwischen. Deshalb braucht es eine neue Steuernummer. Und überhaupt, der ganze Steuerfall muss neu erfasst werden. Wenn die Daten aus Bayern da wären.

Das ist doch gar kein Problem, sagen die Bayern: Den Fall haben wir längst abgegeben. Und überhaupt: drei Monate Warten da drüben, das ist ja ein starkes Stück. Hihihi.

Die bayerischen Finanzer haben gut lachen. Bei ihnen hat die Bearbeitung zuletzt nur drei Wochen gedauert, dann war die zu viel gezahlte Steuer auf dem Konto. Der neu-württembergische Steuerpflichtige aber muss warten. Und hoffen, dass es nach diesem „Land am Rand“ überhaupt noch einen Cent zurück gibt.